Sünde
Ansichten über Sünde
Sünde hat keinen guten Ruf.
1. An was denkst du bei Sünde? An altmodisch und kleinlich, fundamentalistisch und religiös, moralisierend und intolerant? Ungläubige bezweifeln, dass es überhaupt einen Gott gibt, und erst recht, dass dieser Gott festlegt, was richtig und falsch ist.
2. Oder denkst du bei Sünde an Angst, Scham und schlechtes Gewissen, Beichte und Buße, Strafe und Vergeltung? Für die Gläubigen ist Sünde die Übertretung eines göttlichen Gebotes, die Sühne erforderlich macht.
Ja, Sünde hat keinen guten Ruf, weder hier noch dort, weder damals noch heute. Deshalb spricht kaum noch jemand über Sünde.
Viele wissen gar nicht mehr, was das sein soll. Und mit der Sünde ist das Schuldempfinden verschwunden, denn schließlich ist Schuldempfinden so ziemlich das Gegenteil von Wohlbefinden. Die Menschen möchten sich wohlfühlen. Für Viele ist ihr Wohlbefinden das entscheidende Kriterium für Ihr Handeln. Deshalb wird Schuld verdrängt, verleugnet und ist oft nur noch im Strafrecht relevant.
Oft wird den Menschen allerdings grundlos Schuld eingeredet.
Kann aber an Schuldempfinden etwas positiv sein und auch an dem Konzept Sünde?
Das hängt davon ab, ob uns diese Dinge wichtig sind:
· Frieden mit uns selbst und ein gutes Gewissen.
· Frieden und Wohlergehen unserer Mitmenschen.
· Der Frieden und die Interessen Gottes.
· Wollen wir dazulernen und Fortschritte machen?
3. Es gibt auch Menschen für die bietet das Wissen um Sünde Orientierung und Sicherheit. Sie wollen das Richtige tun und Fortschritte machen, was ihrem Leben Sinn, Befriedigung und Hoffnung verleiht. Für sie ist das Beachten der Gebote eine Lust und keine Last. Sie sind dankbar für göttlichen Rat und Zurechtweisung auf dem Weg des Lebens.
Definition Sünde
Beschäftigen wir uns zunächst einmal damit, was Sünde gemäß der Bibel eigentlich ist. Der mit dem Wort „Sünde“ wiedergegebene hebräische Ausdruck ist chattáʼth. Die Verbform chatáʼ bedeutet „verfehlen“, ein Ziel oder das Richtige verfehlen.
Gottes Maßstab
Zu Sündigen bedeutet demnach den Maßstab Gottes zu verfehlen.
Bei Sünde ist wichtig, ist das Nomen (Partizip) gemeint, oder die Tat. Sünden sind Taten, die als Schuld verstanden werden.
Die Sünde (Das Verfehlen seines Maßstabes) kann Gott nicht vergeben (ignorieren), die Sünden (Verfehlungen) aber wohl.
Was kann man sich unter diesem Maßstab vorstellen? Gibt es den einen Maßstab?
Es gibt sehr viele Bereiche, in denen wir beurteilt werden können.
Charaktereigenschaften und Werte, wie Erkenntnis und Verständnis, Glauben und Werke, Liebe und Gerechtigkeit, gottgefällige Fähigkeiten und Fertigkeiten, Mut und Demut, Gebet und Lobpreis, Selbstbeherrschung und Ausdauer, die wir mehr oder weniger entwickelt haben könnten und die als positiv zu werten sind. Dann kommen noch das gute Herz, der klare Verstand, die rechte Gesinnung und die rechten Wünsche und Beweggründe dazu.
Aber dann kommen auf der anderen Seite die negativen Eigenschaften und Taten wie Lügen und Betrügen, Hochmut und Stolz, Neid und Eifersucht, Ignoranz und Inkompetenz, Unmäßigkeit und Undankbarkeit, die negativ zu werten sind.
Dazu kommen noch die verkehrten Gedanken und Absichten.
Ebenso wird der Schöpfer von seinen Geschöpfen nicht erwarten, dass sie perfekt sind. Aber er darf erwarten, dass sie sich bemühen, und wenigstens in den Hauptfächern gute Noten haben.
Gottes Maßstab findet sich vor allem in der Bibel, häufig in Form von Geboten und Gesetzen, aber auch in Form von Grundsätzen.
Wobei die Gebote und Gesetze Gottes sich im Laufe der Zeit ändern, nur die darin enthaltenen Grundsätze sind zeitlos.
Durch das Lesen in der Bibel gleichen wir unsere Gedanken mit dem Maßstab Gottes ab. Hebräer 4:12, 13: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und übt Macht aus und ist schärfer als jedes zweischneidige Schwert und dringt durch selbst bis zur Scheidung von Seele und Geist und von Gelenken und deren Mark und ist imstande, Gedanken und Absichten des Herzens zu beurteilen. Und es gibt keine Schöpfung, die vor seinen Augen nicht offenbar ist, sondern alle Dinge sind nackt und bloßgelegt vor den Augen dessen, dem wir Rechenschaft zu geben haben“. Gottes Wort ist dann wie ein Spiegel. Wenn wir hineinschauen, erkennen wir, wer wir in Wirklichkeit sind und wer Gott ist.
Gott übermittelt seinen Willen auch durch seinen Heiligen Geist, indem er z.B. Propheten aussendet. Eine besondere Stellung nimmt Jesus Christus ein, der Sohn Gottes, der den Vater offenbart und der das Haupt der Christenversammlung ist. Jesus trug seinen Jüngern auf, den Menschen alles zu lehren, was er geboten hatte (Matthäus 28:19,20). Über das Leben Jesu Christi berichten die vier Evangelien.
Später erweiterten einige Apostel und Jünger, wie Petrus, Jakobus, Johannes und Paulus die Anforderungen Gottes und machten sie für die Gläubigen untereinander, im Gemeindeleben und im Verhältnis zur Welt praktisch umsetzbar. Beim Schreiben wurden sie mehr oder weniger vom Heiligen Geist beeinflusst. Die Mitchristen sollten im Glauben wachsen, persönliche Fortschritte machen, im Dienst feststehen und bis zum Ende ausharren.
Obwohl viele Aussagen in der Bibel klar und unmissverständlich sind, gibt es darin Aussagen und Gebote, die unterschiedlich interpretiert werden. Dazu kommt, dass die Bibel nicht zu allen Lebensbereichen und Lebenssituationen Rat oder Anweisungen gibt. Wie auch? Die Lebensumstände heute unterscheiden sich immer mehr von den damaligen. Außerdem schreitet Gottes Vorsatz voran und seine gerechten Maßstäbe ändern sich.
Gerechtigkeit ist das Gegenteil von Sünde. Ein Gerechter entspricht demnach dem Maßstab Gottes. Wir erlangen Gottes Gerechtigkeit aber nicht von uns heraus, nur in Jesus Christus, können wir gerecht vor Gott dastehen (Gal 2:16). In der Bibel werden neue Himmel und eine neue Erde verheißen, in denen Gerechtigkeit wohnen wird. Dann wird die Schöpfung Gottes Maßstab entsprechen (2. Petrus 3:13).
Warum legt Gott einen Maßstab fest?
Gottes Ziel ist, dass Menschen für immer in Vollkommenheit auf einer paradiesischen Erde leben sollen. Psalm 37:29: „Die Gerechten selbst werden die Erde besitzen, und sie werden immerdar darauf wohnen“.
Solange dieses Ziel nicht erreicht ist, entspricht die Schöpfung nicht Gottes Maßstab. Bis heute ist der Mensch sterblich, er sündigt, wird krank, alt und stirbt schließlich. Gott hat als Schöpfer viel Zeit, Mühe und Liebe in seine Schöpfung investiert und möchte natürlich das Beste für die Erde und seine Geschöpfe (Genesis 1:31). Als höchster Souverän hat er zwar das Recht seine Geschöpfe anzuleiten, aber vor allem liebt er sie und möchte sie davor bewahren etwas zu tun, womit sie sich, anderen oder der Gesellschaft schaden.
„Ich, Jehova, bin dein Gott, der dir zum Nutzen dich lehrt, der dich auf den Weg treten lässt, auf dem du wandeln solltest. Oh, wenn du doch nur meinen Geboten Aufmerksamkeit schenktest! Dann würde dein Frieden so werden wie ein Strom und deine Gerechtigkeit wie die Meereswellen“ (Jesaja 48:17,18). Gott möchte ein gutes Verhältnis zu seinen Geschöpfen und ihnen eine echte Zukunftshoffnung geben. „Denn ich selbst weiß ja, welche Gedanken ich euch gegenüber habe“, ist der Ausspruch Jahwehs, „Gedanken des Friedens und nicht des Unglücks, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben“(Jeremia 29:11).
Liebevolle Eltern möchten doch auch das Beste für ihre Kinder. Sie sollen ein sinnvolles, befriedigendes und glückliches Leben führen. Gottes Interesse an uns reicht über das gegenwärtige Leben hinaus.
Menschen können gemäß der Bibel sogar in den Himmel kommen. Aber wer? Nur die besonders frommen, asketischen, gehorsamen und unterwürfigen Diener? Gott hat offenbart seine Maßstäbe für ein Leben im Himmel und ein Leben auf der Erde. Der Schöpfer weiß um die Beschaffenheit, Grenzen, Bedürfnisse und Wünsche der Menschen in ihrer Vielfalt und wird ihnen nichts Gutes vorenthalten (Psalm 145:16).
Definition Sünder
Ist der Mensch ein Sünder? Bist du ein Sünder?
Was empfindest du, wenn du als Sünder bezeichnet wirst?
Der Begriff Sünder wird in der Bibel auf zweierlei Weise verwendet.
· Zum einen sind alle Menschen von Natur aus Sünder, d.h. unvollkommen und fehlerhaft.
Demnach gibt es nur zwei Arten von Menschen - Sünder und Vollkommene. Ein gerechter Mensch wird zugeben, dass er nicht perfekt ist und Fehler macht.
Aber wird er sich deshalb als Sünder bezeichnen lassen wollen?
· Zum anderen werden nämlich in der Bibel mit „Sünder“ Personen bezeichnet, die Sünde treiben und Gottes Maßstäbe willentlich missachten. Zur Zeit Jesus bezeichneten die selbstgerechten religiösen Führer andere als Sünder und verfluchte Leute. „Diese Volksmenge aber, die das GESETZ nicht kennt, verfluchte Leute sind sie“ (Johannes 7:49).
Ist es fair einen Menschen „Sünder“ zu nennen? Ein Vergleich dazu. Niemanden gelingt es immer die Wahrheit zu sagen, aber es wäre übertrieben und respektlos ihn deshalb als Lügner zu bezeichnen. Zumindest, wenn er sich bemüht die Wahrheit zu sagen. Dennoch müssen wir einräumen, dass wir mehr oder weniger oft und sogar absichtlich lügen bzw. sündigen. Deshalb schrieb der Apostel Johannes: „Wenn wir behaupten: „Wir haben keine Sünde“, betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht: Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir behaupten: „Wir haben nicht gesündigt“, machen wir ihn zum Lügner und sein Wort ist nicht in uns“ (1. Johannes 1:8-10).
Wir brauchen aber auch nicht gleich eingeschnappt zu sein, wenn uns jemand als Sünder bezeichnet. Er ist selbst ein Sünder! Unvollkommen sind wir alle!
Allerdings hinkt der Vergleich zwischen Lügen und Sündigen etwas. Menschen wissen, was es bedeutet zu lügen, aber was bedeutet es zu sündigen? Wenn sie die gerechten Maßstäbe Gottes gar nicht kennen, wie sollen sie die gerechten Maßstäbe einhalten können?
Dennoch haben alle Menschen ein Gewissen. So hat Gott sein Gesetz auch in die Herzen der Menschen gelegt. (Römer 2:14, 15) „Denn wenn immer Menschen von den Nationen, die ohne Gesetz sind, von Natur aus die Dinge des Gesetzes tun, so sind diese Menschen, obwohl sie ohne Gesetz sind, sich selbst ein Gesetz. Sie zeigen ja, dass ihnen der Inhalt des Gesetzes ins Herz geschrieben ist, wobei ihr Gewissen mitzeugt und sie inmitten ihrer eigenen Gedanken angeklagt oder auch entschuldigt werden.“
Bei den weltlichen Gesetzen erwartet der Staat, dass sich die Bürger über die Gesetze informieren. Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Ebenso darf Gott von uns erwarten, dass sich die Menschen über Gottes Gebote informieren, und dass wir uns bemühen und nicht gedankenlos oder gar in böser Absicht lügen bzw. sündigen. Dasselbe erwarten wir doch auch von unseren Mitmenschen! Oder wirst du gerne belogen und betrogen? In Gottes Königreich ist gemäß Offenbarung 22:15 kein Platz für Personen, die der Lüge zuneigen und sie verüben.
Aussagen über Sünde
Sünde ist Trennung von Gott
Viele definieren Sünde als Trennung von Gott. Weil Gott heilig ist und wir Sünder und Gott keine Sünde in seiner Gegenwart toleriert, haben wir keinen Zugang zu Gott. Der einzige Ausweg ist Jesus Christus, durch den Gott unsere Sünden vergibt, was uns über einen Umweg doch noch den Zugang zu Gott ermöglicht. Trotzdem fühlen sich viele Christen von Gott getrennt. Diese Trennung könnte real sein oder sie reden sich das ein, oder andere tun es. Andere behaupten eine enge Beziehung zu Gott aufgebaut zu haben. Für sie ist Gott eine Realität im Alltag. Die meisten aber halten Gott für fern und unnahbar.
Natürlich spiegeln wir nicht die Herrlichkeit Gottes wider. Aber wir sind als Christen gerechtfertigt und können einen heiligen Stand vor Gott einnehmen, obwohl wir sündigen. Wir können Gott auch näher kommen, indem wir das Rechte tun und das Verkehrte lassen (Jakobus 4:8). Es hängt also, wenigstens zum Teil, von uns selbst ab.
Was ist keine Sünde?
Vieles, was als Sünde verkauft wird, ist gar keine Sünde.
Hier einige Gründe, warum es sich nicht um eine Sünde handelt:
Es ist ein veraltetes Gebot
Das Gebot kann überholt sein. So ist der Maßstab Gottes für Christen heute ein anderer als für sein Bundesvolk Israel damals. Der Gesetzesbund gilt nicht für Christen. „Indem Gott sagt „einen neuen Bund“, hat er den früheren für (ver)alt(et) erklärt“ (Hebräer 8:13).
Das Gesetz war der Maßstab für das Volk Israel. Es regelte das Zusammenleben und bestand neben den 10 Geboten aus vielen zu beachtenden Bestimmungen und Verboten, deren Nichtbeachtung mit teils drastischen Strafen verbunden war. Außerdem hatte es den Zweck, dem Menschen seine Sündhaftigkeit aufzuzeigen und diente als ein Erzieher, der zu Christus führte (Gal 3:24).
Christen stehen nicht mehr unter dem mosaischen Gesetz.
Wer meint er steht unter Gesetz, der glaubt, dass seine Errettung von seiner eigenen Leistung abhängt. Er fokussiert sich auf das Halten der Gebote, bzw. darauf, kein Gesetz zu übertreten. Allerdings stehen Christen unter dem Gesetz des Christus (Gal 6:2). An Stelle des Gesetzesgehorsam tritt der Glaubensgehorsam. Die Erlösung hängt nicht vom Halten der Gesetze ab, sondern vom Glauben.
Zur Zeit Jesus mussten sich die Menschen taufen lassen als ein Symbol für ihre Umkehr (Markus 1:4). Heute lassen sich Christen taufen als Symbol für ihre Hingabe und das „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Matthäus 28:19,20).
Es ist ein irrelevantes Gebot
Das Gebot gilt nur für bestimmte Personengruppen.
Gottes Maßstab ist für Personen in Verantwortung (Aufseher, Priester, Geistgesalbte Könige und Priester, Propheten, Apostel) ein anderer als für den gewöhnlichen Gläubigen. „Von jedem, dem mehr gegeben wurde, wird mehr erwartet“ (Lukas 12:48).
Wer in Zukunft Verantwortung über die Erde und die Menschen bekommen möchte, der wird sich entsprechend einbringen und verhalten müssen. Wobei es ohne die Berufung Gottes nicht geht.
Es ist eine falsche Auslegung
Die Bibelstelle wird falsch interpretiert. „Der Mann sollte vom eigenen Gefäß in Heiligung Besitz ergreifen“ wird so interpretiert, dass Masturbation eine Sünde ist (1.Thessaloniker 4:3-6). Nun muss man aber wissen, das eigene Gefäß ist nicht der eigene Körper, sondern die eigene Frau, denn im Alten Testament ist der Ehemann der Besitzer seiner Frau. Paulus wollte somit vor allem, dass der Mann nur Sex mit seiner eigenen Frau haben sollte, und das auf eine gesittete Art und Weise.
Es ist eine falsche Lehre
Die Bibel wird von den Religionsvertretern (bewusst) falsch gelehrt. Dabei haben bei der Geistlichkeit, die Traditionen und die Vorgaben und Interessen der Organisation Vorrang vor Wahrheit und Gerechtigkeit. Ein Beispiel ist das Zölibat, das den Priestern die Ehe verbietet (1.Timotheus 4:3).
Es ist nur ein Rat
Die Bibel enthält viele Empfehlungen für unser Leben, ohne diese zu einem Gesetz zu machen. Aber wenn es kein Gesetz ist, ist dann die Missachtung eine Sünde?
Es gibt auch immer wieder Menschen, die anderen Rat und Zurechtweisung erteilen wollen. Aber ist dieser Rat im Einklang mit Gottes Willen?
Es ist nur ein Grundsatz
Ein Grundsatz ist ein allgemeingültiges Prinzip, das vergleichbar ist mit dem Grundgesetz bzw. der Verfassung eines Landes. Grundsätze bieten Orientierung, erlauben aber Flexibilität.
Ein Beispiel ist die grundsätzliche christliche Unterordnung in Bezug auf die Staatsgewalt, da die Regierungen in vielem Gottes Gerechtigkeit durchsetzen (Römer 13:1,4). Die Unterordnung ist aber relativ, da bei einem christlich geschulten Gewissen Gottes Gebote Vorrang haben (Apostelgeschichte 5:29).
Es gab auch im mosaischen Gesetz gewichtigere Gebote. Die 10 Gebote zählen dazu. „Recht, Barmherzigkeit und Treue“ zählten laut Jesus auch zu den „wichtigeren Dingen“ (Matthäus 23:23).
Wobei für Christen aber Gerechtigkeit, Liebe und Loyalität noch wichtiger sind, weil Gerechtigkeit über das Recht hinausgeht, Barmherzigkeit nur eine Facette der Liebe ist, und Gott eine von Herzen kommende Ergebenheit erwartet.
Ein weiteres Beispiel ist der Grundsatz aus 1.Timotheus 5:19 „Gegen einen Ältesten nimm keine Anklage an, außer aufgrund der Aussage von zwei oder drei Zeugen“. Das wird als 2-Zeugen-Regel bezeichnet und soll Schutz vor Verleumdung bieten. Grundsätzlich braucht es demnach mindestens zwei Zeugen, damit eine Anklage zugelassen wird. Besser wäre es aber von einer 1-Behauptung-Regel zu sprechen. Die bloße Behauptung einer einzigen Person allein genügt nicht, um Anklage zu erheben. Entweder es finden sich weitere Zeugen oder Indizien rechtfertigen eine Anklage bzw. Untersuchung. Vor einer Anklage muss auf jeden Fall der Beschuldigte angehört werden.
Manchmal stehen zwei Grundsätze bzw. Werte miteinander im Konflikt. Zum Beispiel Wahrheit und Liebe. Dann ist es nicht leicht eine gottgefällige Entscheidung zu treffen. Auch wenn die Liebe das größte Gebot ist, so müssen wir doch auch bei der Wahrheit bleiben. Was aber, wenn ich bestätigen soll, dass meine Freundin von mir abgeschrieben hat? Oder, wenn Feinde uns auffordern unsere Geschwister zu verraten?
Was ist eine Sünde?
Wie können wir sündigen?
Sünden in Wort und Tat
Zuerst denkt man dabei wohl an verkehrte Worte oder Taten. Allein mit Worten können wir großen Schaden anrichten (Sprüche 18:21), indem wir verleumden, ängstigen, beschimpfen, anklagen, beleidigen, täuschen, verletzen. In Taten können wir ebenso verletzen, betrügen, stehlen, rauben, zerstören, morden.
Unterlassungssünden
Aber wir können auch sündigen durch das Unterlassen etwas Notwendiges bzw. Angebrachtes zu tun. Der Barmherzige Samariter kümmerte sich im Gegensatz zu den Geistlichen um den Überfallenen. Er beachtete das Gebot der Nächstenliebe, wobei er es wohl nicht einmal kannte (Lukas 10:36,37). Jesus beurteilt bei seiner Wiederkunft die Menschen danach, inwiefern sie seinen Geschwistern in der Not beigestanden haben (Matthäus 25:31-46).
Sünden in Gedanken
Man kann auch in Gedanken sündigen.
(Römer 8:6-8) „Denn das Sinnen des Fleisches bedeutet Tod, das Sinnen des Geistes aber bedeutet Leben und Frieden, weil das Sinnen des Fleisches Feindschaft mit Gott bedeutet, denn es ist dem Gesetz Gottes nicht untertan und kann es tatsächlich auch nicht sein. So können denn die, die mit dem Fleisch in Übereinstimmung sind, Gott nicht gefallen“.
Mit Fleisch ist hier in erster Linie gemeint eine negative Kraft in uns, die sündige Gedanken und Begierden fördert im Gegensatz zur positiven Kraft des Heiligen Geistes und unsere persönlichen sündigen Neigungen und Schwächen.
Und auf das Sinnen des Fleisches können die Werke des Fleisches folgen. „Nun sind die Werke des Fleisches offenbar, und sie sind: Hurerei, Unreinheit, Zügellosigkeit, Götzendienst, Spiritismus, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Wutausbrüche, Wortzänkereien, Spaltungen, Sekten, Neid, Trinkgelage, Schwelgereien und dergleichen Dinge“ (Galater 5:19-21).
Sünden im Herzen
Schließlich kann man auch im Herzen sündigen. Das Herz steht für den inneren Menschen, die Persönlichkeit mit ihren Stärken, Schwächen und Abhängigkeiten. Durch unsere Gesinnung, Einstellung, Wünsche, Absichten und Beweggründe können wir von Gottes Maßstab abweichen.
Jesus sagt in der Bergpredigt, „wer eine andere Frau begehrlich ansieht, hat in seinem Herzen bereits Ehebruch begangen“ (Matthäus 5:28). Eine rein äußerliche Beachtung der Gebote genügt also nicht.
Bereits der Wunsch Ehebruch zu begehen, ist ein Problem. Denn dem Wunsch kann die Absicht folgen, die bei passender Gelegenheit zum Ehebruch führt. Wobei ein Ehebruch in Gedanken nicht gleichzusetzen ist mit einem tatsächlichen Ehebruch.
Unglauben ist Sünde
Auch der Unglauben ist eine Sünde. Glauben basiert auf einer genauen Erkenntnis über Gott und sein Wort. Im neuen Testament werden wir vor allem dazu aufgefordert, an Jesus als den Messias zu glauben, durch den wir gerettet werden können (Johannes 3:16). Aus dem Glauben erwächst das Vertrauen, dass Gott uns segnen wird und wir Gottes Verheißungen erleben werden, wenn wir im Glauben bleiben. Unglaube dagegen hält den Heiligen Geist davon ab, in unserem Leben zu wirken.
Schwere der Sünde
Die Schwere der Verfehlung macht einen Unterschied.
Unvergebbare Sünden
Es gibt gemäß 1.Johannes 5:16,17 eine „Sünde, die den Tod nach sich zieht“. Und die „Lästerung gegen den Heiligen Geist“ ist gemäß Matthäus 12:31 eine unvergebbare Sünde. Diese Worte sind als Warnung zu verstehen. Wir sollten nicht meinen, uns alles erlauben zu können, wenn wir nur hinterher bereuen. Wir sollten auch nicht meinen Gott täuschen zu können, denn offensichtlich kennt Gott die Gedanken und Absichten der Menschen (Psalm 139:1-12).
Jesus ging sogar so weit, dass er sagte, „die Menschen werden von jedem nutzlosen Ausspruch, den sie machen, am Gerichtstag Rechenschaft ablegen; denn durch deine Worte wirst du gerechtgesprochen werden, und durch deine Worte wirst du verurteilt werden“ (Mat 12:35,36).
Schwere Sünden
Gott ist bereit selbst schwere Sünden der Tat zu vergeben (Jesaja 1:16-20). Was sind schwere Sünden? Eine Orientierung bieten die 10 Gebote.
Zu den schweren Sünden zählen demnach solche Sünden, die Gott entehren, anderen schweren Schaden zufügen, vorsätzliche Sünden aus Eigennutz und Bosheit, Sünden, wegen denen man aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden kann.
Gewöhnliche Sünden
Das sind alltägliche Sünden, die immer wieder vorkommen. Wir werden wütend, unfreundlich, sagen nicht ganz die Wahrheit, gehen falschen Gedanken und Begierden nach. Wir sollten diese Sünden nicht dramatisieren, aber auch nicht bagatellisieren. Und uns in Acht nehmen, dass wir nicht nach und nach unerwünschte Gewohnheiten entwickeln.
Sünden gegen Gott und Sünden gegen Menschen
Gott legt fest, was er von uns persönlich erwartet und wie wir unsere Mitmenschen behandeln sollen.
Es gibt Sünden gegen Gottes Heiligkeit und Sünden gegen unsere Mitmenschen. So legten wenigstens die ersten drei der 10 Gebote (Exodus 20:1-17) unser Verhältnis zu Gott fest: Es gibt nur einen Gott, wir sollten keine anderen Götter anbeten und Gottes Name nicht in unwürdiger Weise gebrauchen.
Das Sabbat Gebot diente der Erholung und Besinnung des Volkes.
Die nächsten Gebote waren, die Eltern zu ehren, nicht zu morden, nicht ehezubrechen, nicht zu stehlen, nicht falsch zu zeugen und nicht etwas zu begehren, was einem anderen gehört.
Das war das Grundgesetz für die Israeliten, der Maßstab Gottes umfasste aber noch viele zusätzliche Gesetze, insgesamt über 600. Diese Gesetze regelten, was das Volk zu beachten hatte, und welche Konsequenzen die Nichtbeachtung hatte. Im Vordergrund stand dabei das Gemeinwohl.
Todsünden
Es gibt in der Kirche schon lange den Begriff der Sieben Todsünden, besonders schwere Charakterschwächen und Laster, die Gott in der Bibel missbilligt. Sie werden deshalb als Todsünden bezeichnet, weil sie das Seelenheil gefährden können.
Die sieben Todsünden sind Hochmut, Habgier, Wollust, Völlerei, Neid, Zorn und Trägheit. Ich werde später noch im Einzelnen auf sie eingehen.
Bei den Todsünden geht es nicht um einzelne Taten, sondern um unsere Persönlichkeit, unsere Herzenseinstellung. Und aus einem schlechten Herzen kommen die Sünden der Tat. Matthäus15:19 "Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Verleumdungen".
Die Todsünden werden auch als Wurzelsünden bezeichnet, da aus ihnen die Sünden der Tat entspringen. Die Geldliebe wird deshalb auch als die Wurzel von schädlichen Dingen aller Art“ bezeichnet (1. Timotheus 6:10). Wobei diese Wurzelsünden selbst wiederum ihre Wurzeln haben. Zum Beispiel Habgier zeugt von einem fehlenden Vertrauen, dass Gott für die eigenen Bedürfnisse sorgen wird. Auch wenn dies nur eine alte, grobe Sicht der Kirche ist, so hat dieses Konzept etwas Gutes, da es den Tatsünden auf den Grund geht.
Was ist der Unterschied zwischen einer unerwünschten Gewohnheit und einer Sucht?
Eine Sucht ist eine extreme Gewohnheit, gekennzeichnet durch einen unkontrollierbaren, triebhaften Drang mit oft negativen Folgen und einer psychischen/physischen Abhängigkeit, die Denken und Verhalten komplett verändern kann.
Ursprung der sieben Todsünden
Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Christentum zur Staatsreligion. Die Frage war dann, wer ist eigentlich ein Christ? Wer getauft ist, wer sich zu Jesus bekennt, an Jesus glaubt, wer in die Kirche geht, wer sich an das hält, was Jesus geboten hat, wer ein Nachfolger Christi ist, oder jemand der so lebt wie Jesus? Wie kann ein gläubiger Christ sein Seelenheil sicherstellen und wie kann er es verlieren? Auch im Kloster machte man sich Gedanken darüber. Das Klosterleben schützte vor den Todsünden und gab dem Leben eine klare Struktur und Geborgenheit. Durch die ärmliche, einfache Einheitskleidung und die Tonsur wurden alle entstellt und gleich gemacht. Niemand hatte mehr Grund sich als etwas Besonderes zu fühlen oder auf jemand anderen neidisch zu sein. Das Armuts- und Keuschheitsgelübde verhinderte Gefühle der Habgier und Lust. Es befanden sich auch nur gleichgeschlechtliche Personen im Kloster. Das Leben im Kloster war geregelt und einfach. Es wurde für mehr oder weniger sinnvolle Arbeit gesorgt, so dass niemand untätig bleiben musste. Das Klosterleben gab ein Gefühl der Sicherheit und schützte vor der bösen Welt und deren Versuchungen, seien es materielle Dinge, zu viel Essen und Trinken, das andere Geschlecht, zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte. Und am Ende des entbehrungsreichen Lebens wartete die große Belohnung: Ewiges Leben in Gottes Reich. Das Kloster bot somit Schutz vor den sieben Todsünden und war damit eine Werbemaßnahme für ein Leben im Kloster.
Christen tun den Willen Gottes allerdings nicht, um Leben zu haben, sondern sie haben Leben und tun deshalb den Willen Gottes.
Kritik an den sieben Todsünden
Die sieben Todsünden sind sieben menschliche Schwächen. Schwächen, zu denen wir neigen, die sich aber zu ernsten Charakterschwächen und Problemen entwickeln können.
Wie kann es denn dazu kommen, dass wir solche Laster entwickeln? Nachfolgend drei Szenarien.
Neid: Wir sind anfänglich nur stolz auf unsere Erfolge, vergleichen uns dann mit anderen, halten uns für besser, trotzdem verdienen die anderen mehr, sind angesehener. Das ärgert uns und wir werden neidisch.
Habgier: Oder wir wollen mehr haben und bekommen es auch, Geld, Besitz, Sex, Parties, Alkohol, und kommen dann nicht mehr davon los.
Trägheit: Oder wir regen uns zunehmend über die Welt auf, würden gerne etwas ändern, fühlen uns aber machtlos und resignieren. Wir ziehen uns zurück und schließen mit der Welt ab.
Der beste Schutz gegen die Entwicklung dieser Laster ist sicherlich ein gutes Verhältnis zu Gott. Wenn Gott für uns eine Realität ist und wenn wir Gott in unser Leben und in unsere Entscheidungen einbeziehen, werden wir davor bewahrt, eine gottlose Einstellung zu entwickeln.
Umfang der 7 Todsünden
Die Liste der Todsünden ist längst nicht vollständig. Es fehlen geistliche Sünden wie etwa fehlender Glaube oder auch ein Mangel an Erkenntnis. Tatsünden wie Ehebruch und Mord bleiben außen vor. Es gibt viele moderne Laster und Süchte, wie Drogensucht, Spielsucht, Sammelsucht, Internetsucht, die uns ebenfalls von Gott entfremden können.
Kritik an den einzelnen Todsünden
Hochmut
Es gibt auch einen positiven Stolz, wir sind stolz auf das, was wir gesagt, getan, geschafft haben, oder wie wir uns verhalten haben. Wir dürfen uns darüber freuen, sollten es sogar, denn das gibt uns Kraft und die nötige Motivation weiterzumachen.
Habgier
Geld ist Macht. Mehr Geld ist demnach mehr Macht. Mit Geld kann man viele großartige Dinge kaufen. Geld bietet auch Schutz, Sicherheit, macht freier und unabhängiger. Mit meinem Geld kann ich anderen helfen. Mehr haben zu wollen ist der Start aus der Armut.
Wollust
Sexualität ist ein natürlicher Trieb. Es ist geil, geil zu sein. Und es ist geil, sexuelle Befriedigung zu erleben. Wenn auch so Manche ihrer Lust ungehemmt nachgehen und ihre Sexualität auf unvernünftige Weise ausleben. Aber auch nicht ausgelebte, unterdrückte Sexualität hat Konsequenzen.
Völlerei
Unmäßigkeit ist nicht gut. Wer es übertreibt, mit dem Essen, Trinken oder auch mit anderen Dingen, kann sich selbst schaden. Es ist gut, die eigenen Grenzen zu kennen und zu beachten. Aber man muss auch genießen können.
Wir könnten meinen, jemand leidet an Fresssucht, bloß weil er dick ist, dabei kann es an der genetischen Veranlagung liegen oder am schlechten Stoffwechsel.
Neid
Mehr haben zu wollen, als man momentan hat, ist natürlich. Ebenso, das haben zu wollen, was andere haben. Es gibt vieles, was das Leben angenehmer und schöner machen kann. Andere können einen dazu inspirieren und motivieren. Schwierig wird es, wenn man anderen nicht gönnt, was sie haben. Das kann so weit gehen, dass man danach trachtet, ihnen das Ihre wegzunehmen.
Hinter Neid kann sich aber auch der Wunsch nach Gerechtigkeit verbergen. Wieso sollen nur einige Wenige so viel haben? Gerechter und besser wäre es doch, wenn mehr Menschen Wohlstand erlangen würden und die Lebensqualität allgemein steigen würde.
Zorn
Wut ist eine emotionale Reaktion auf etwas, was man nicht gutheißt. Es zeigt die eigene Betroffenheit. Wenn man sich ärgert, findet man sich mit dem Übel nicht einfach ab. Man erwartet, dass es abgestellt wird. Wie realistisch diese Erwartung allerdings ist, und ob man sich nicht lieber mit der Situation abfinden sollte… Schlecht ist es natürlich, sich wegen jeder Kleinigkeit aufzuregen.
Wobei auch ein zu hoher Blutdruck oder ein Nervenproblem hinter Wutausbrüchen stecken kann. Früher waren Gefühle verpönt, besonders die negativen Gefühle durften nicht gezeigt werden und mußten kaschiert werden. Wer nicht Herr seiner Gefühle war, galt als schwach. Heute wird es eher akzeptiert seine Gefühle zu zeigen. Ja, es wird sogar als positiv und gesund betrachtet seine Gefühle rauszulassen, dem Ärger Luft zu machen.
Trägheit
Es ist gut zu arbeiten, aber auch damit kann man es übertreiben. Zu vieles und zu hartes Arbeiten kann sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Und die Frage ist auch, was bringt die Arbeit, das womit man sich beschäftigt? Strengt man sich etwa für eine falsche Sache an? Es ist auch gut und wichtig, sich zu entspannen und zu regenerieren, Abstand zu gewinnen, sich neu zu orientieren, um dann fortzufahren. Im Alten Testament gab es den Sabbat, einen vorgeschriebenen Tag der Ruhe.
Wenn jemand kein Einkommen erzielt, sollten wir daraus nicht schließen, dass er faul ist. Vielleicht ist er arbeitsunfähig oder anderweitig sinnvoll beschäftigt.
Folgen der sieben alten Todsünden
Die katholische Kirche sieht in der Todsünde eine Abkehr von der Gemeinschaft mit Gott. Für die erneute Vergebung ist Reue und Umkehr erforderlich. Ansonsten wartet die Hölle.
Für andere Kirchen geht die gläubige Person sinnbildlich vom Leben zum Tod über. (Johannes 5:24) „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer auf mein Wort hört, und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben, und er kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod zum Leben hinübergegangen“.
Wer an Jesus glaubt, geht aus dem Tod zum Leben hinüber. Er führt ein sinnvolles Leben mit der Perspektive ewiges Leben. Wer aufhört zu glauben (Apostasie) vollzieht den umgekehrten Schritt. Er führt ein Leben ohne die Aussicht auf ein Leben nach dem Tod. Die Frage ist, ob jemand, der einem Laster verfallen ist, damit auch aufhört zu glauben. Die einen machen den Glauben an dem Bekenntnis zu Jesus fest, die anderen an den Werken und sogar an der Herzenseinstellung. Charakterschwächen und Laster können einem schwer zusetzen und auf Dauer die eigene Lebensqualität mindern und das Verhältnis mit Gott belasten. Deshalb ist es gut, die Laster anzugehen.
Wobei die Frage ist, wann man von einem Laster als solches sprechen kann.
Wo hört die Vorsorge auf und wo die Habsucht an, wo hört das natürliche Verlangen auf, und wo fängt die Gier an?
Wann handelt es sich noch um natürliche Lust, und ab wann um Wollust? Haben wir vielleicht etwas gegen glückliche, wohlhabende, erfolgreiche, freie, unabhängige, selbständige und selbstbewusste Menschen? Ist der Gott des Alten Testaments nicht selbst, ein eifersüchtiger, rachsüchtiger, zorniger Gott?
Die sieben alten Todsünden
1. Hochmut: (Geltungssucht) Stolz und überheblich auf andere herabblicken, sich für etwas Besseres halten, andere ignorieren. Sich etwas anmaßen, was einem nicht zusteht. Früher wurde erwartet, sich den Anweisungen der Obrigkeiten zu fügen (Römer 13:1). Wer sich weigerte, galt schnell als zu stolz, er nahm sich selbst zu wichtig.
2. Habgier: (Habsucht) Immer mehr haben wollen, bzw. müssen, nie zufrieden sein können (Epheser 5:5). Damals galt unter den ersten Christen jemand wahrscheinlich schon als habgierig, wenn er mehr als das Lebensnotwendige begehrte. Heute definieren sich viele über das, was sie haben.
3. Wollust: (Sexsucht) Ständig unsittlichen und unzüchtigen Fantasien und Begierden nachgehen, auf sexuelle Stimulation und Befriedigung aus sein.
4. Völlerei: (Fresssucht) Ständig essen und trinken müssen, man macht seinen Bauch zum Gott und gibt ihm, was er verlangt, was aber letztendlich ins Verderben führt. (Philipper 3:19). Sich nicht beherrschen können und unmäßig verhalten kann viele Lebensbereiche betreffen.
5. Neid: (Eifersucht) Anderen es nicht gönnen und selbst haben wollen: Glück, Macht, Geld, Besitz, Erfolg, Ansehen, Aussehen, Fähigkeiten, … Die Liebe, Aufmerksamkeit, Anerkennung,… für sich allein beanspruchen.
6. Zorn: (Wutsucht) Sich ständig aufregen und ärgern müssen. Bis zu dem Punkt von Wut und Rachegedanken beherrscht zu werden.
7. Trägheit (Verweigerungssucht): Faul und gleichgültig sein, Arbeit und Verantwortung verweigern, Selbst seine eigene innere Stimme, sein Gewissen ignorieren. Es fehlt an der Motivation das Gute und Richtige zu tun.
8. In der Kirche bleiben.
Sieben alte Tugenden
Den sieben Todsünden könnte man sieben Tugenden gegenüberstellen. Vielleicht wurden die sieben Todsünden auch aus diesen 7 Tugenden abgeleitet.
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Sieben alte Todsünden
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Sieben alte Tugenden
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Hochmut
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Demut
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Habgier
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Zufriedenheit
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Wollust
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Keuschheit
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Völlerei
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Fasten
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Neid
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Barmherzigkeit
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Zorn
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Sanftmut
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Trägheit
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Fleiß
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Die sieben Gegensätze zu den sieben alten Todsünden wären demnach
1. Demut. Niedriggesinntsein. Andere respektieren und zu ihnen aufblicken. Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen erweist er Gnade (1.Petrus 5:5).
2. Zufriedenheit (Php 4:11,12): Sich mit den Dingen begnügen, die man hat und dankbar dafür sein.
3. Keuschheit: Sittliche, sexuelle Reinheit in Gedanken, Worten und Taten.
4. Fasten: selbst auferlegte Abstinenz von Essen, Trinken oder Ähnlichem.
5. Barmherzigkeit: Den Mitmenschen mit Güte und Wohlwollen begegnen. Ihnen das Beste wünschen. Sich mit und für sie freuen können.
6. Sanftmut: Mildgesinntsein und Gelassenheit. Sich selbst unter üblen Umständen beherrschen können (2. Timotheus 2:24).
7. Fleiß: Eifrig sein in guten Werken. (Philipper 4:8, 9) wir sollten uns mit den Dingen beschäftigen, die wahr, sinnvoll, gerecht, keusch, liebenswert, gut, tugendhaft und lobenswert sind.
Wobei man es mit den Tugenden auch übertreiben kann. Ich muss ja nicht gleich ins Kloster gehen. Und wenn ich feststelle, dass ich eigentlich schon im Kloster bin? Wer oder was zwingt dich dort zu bleiben?
Sieben moderne religiöse Todsünden
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Sieben moderne religiöse Todsünden
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Gleichmut
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Es ist egal, was jemand glaubt, denkt und tut. So wird alles und alle gleich gemacht. Gott liebt alle Menschen, so wie sie sind. Die verschiedenen Religionen sind verschiedene Wege zu Gott. Wer glaubt, ist für immer gerettet. Wer widerspricht gilt schnell als intolerant.
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Heuchelei
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anderen etwas vorspielen, was man gar nicht glaubt, denkt und gar nicht ist. Scheinheiligkeit gehört dazu, ebenso ein Doppelleben zu führen.
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Intoleranz
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abweichende Glaubensansichten und Lehren nicht dulden können und verurteilen.
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Fundamentalismus
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stur an religiösen Schriften, Versen und Grundsätzen festhalten, ungeachtet der Umstände, Entwicklungen und Zeit.
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Extremismus
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übertriebene Betonung der Traditionen und einseitige Auslegung und radikale Durchsetzung der Schriften.
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Spiritismus
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bzw. Okkultismus. Verkehr mit Geistern und finsteren Mächten wie Wahrsagerei und Zauberei.
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Götzendienst
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in seinen vielen Erscheinungsformen. Dinge oder Personen erlangen Vorrang vor Gott. Das können sein: Idole, eine Religion, eine Partei, eine Ideologie, oder materielle Dinge.
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Sieben moderne Religiöse Tugenden
Wie könnten im Gegensatz dazu, auf Basis der Bibel, 7 moderne religiöse Tugenden, im Leben eines Muster-Christen aussehen?
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Sieben moderne religiöse Tugenden
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Gebet
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Regelmäßig und im Glauben zu Gott beten.
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Bibellesen
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Sich regelmäßig und häufig mit Gottes Wort beschäftigen.
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Hauskreis
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Sich mit Mitgläubigen treffen, das Leben und die Sorgen miteinander teilen, christliche Themen und Bücher besprechen.
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Lobpreis
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Gemeinsam musizieren und geistliche Lieder singen.
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Spenden
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Die Ortsgemeinde und den christlichen Glauben finanziell unterstützen.
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Gottesdienst
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Sich wenigstens einmal in der Woche zur Anbetung und Belehrung treffen.
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Verkündigung
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Das Evangelium an andere weitergeben.
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Was aber, wenn ich diese Dinge nicht tue? Bin ich dann ungerecht? Bin ich noch ein Christ oder eher ein Ungläubiger, bzw. Sünder?
Vielen fällt es schwer zu beten, sie wissen nicht recht, worum sie beten sollen und bezweifeln, dass Gott ihre Gebete erhört. Sie finden die Bibel zwar interessant, aber halten sie nicht mehr für zeitgemäß. Sie sind keine guten Sänger und Musikanten, die gesungenen Lieder finden sie altmodisch. Sie bräuchten selbst Unterstützung, jetzt wird aber von ihnen erwartet, dass sie etwas geben sollen. Sie finden es schon gut, sich einmal in der Woche zur Anbetung zu treffen, aber den Gottesdienst empfinden sie oft langweilig und zu lange. Viele wissen nicht, wie sie mit anderen über ihren Glauben sprechen sollen. Sie kennen selbst viele Antworten nicht, wie sollen sie dann die Fragen anderer beantworten? Nicht alle glauben und sind fromm und bleiben deshalb lieber den Vorkehrungen fern.
Natürlich kann die Gemeindeleitung den Mitgliedern helfen, mehr Freude und Befriedigung an der Anbetung zu entwickeln. Aber letztlich ist jeder selbst für seinen Glauben verantwortlich. Das Internet bietet zusätzliche Möglichkeiten. Es ist möglich sich Lobpreislieder anzusehen, sich Vorträge zu biblischen Themen anzuhören, oder sogar einen ganzen Gottesdienst mitzuerleben, sich mit anderen auszutauschen und zu spenden.
Glauben zeigt sich auch nicht an Äußerlichkeiten, sondern ist eine Herzenssache. Die Geistlichen zur Zeit Jesus sind da ein warnendes Beispiel. Die Liebe zu Gott zeigt sich vor allem darin, dass wir seine Schöpfung achten, seine Gebote halten, unseren Nächsten lieben und schließlich müssen wir uns auch um uns selbst kümmern.
Sieben moderne persönliche Todsünden
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Sieben persönliche, zwischenmenschliche Todsünden
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Sieben persönliche, zwischenmenschliche Tugenden
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Hass: bzw. Groll gegen Einzelpersonen, Gruppen oder Organisationen hegen. 3. Mose 19:17,18
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Liebe: Aus Barmherzigkeit den Vorteil und Erfolg der anderen suchen.
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Egoismus: beständig nur den eigenen Vorteil suchen. (Galater 5:26). Andere für die eigenen Interessen einspannen.
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Gerechtigkeit: Alle angemessen und fair behandeln wollen. Schauen, dass niemand zu kurz kommt.
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Ignoranz: sich keine Gedanken über das Leben, einen Sinn und die Zukunft machen. Nur im jetzt und heute leben.
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Weisheit: Im Leben nach Erkenntnis, Verständnis, Bildung und Sinn für sich und andere streben und Verantwortung übernehmen.
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Feigheit: sich dem Leben verweigern. Herausforderungen, Problemen und Konflikten aus dem Weg gehen.
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Mut: Sich trotz Widerstände für die Belange der Gesellschaft, besonders der Schwächeren einsetzen.
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Verlogenheit: Lügen gezielt und geschickt einsetzen. Andere täuschen, um einen persönlichen Vorteil daraus zu ziehen.
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Wahrhaftigkeit: Andere wissen lassen, woran sie sind und womit sie rechnen können, bzw. müssen.
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Geiz: anderen nichts abgeben, lieber sparen und vermehren.
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Großzügigkeit: Andere selbstlos fördern und unterstützen, damit sie Erfolg und Wohlfahrt erlangen.
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Missbrauch: Machtmissbrauch, Missbrauch von anvertrauten und schwachen Menschen.
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Fürsorge: Sich um die Interessen und Bedürfnisse anderer kümmern. Sie beschützen und stärken.
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Sieben politische Todsünden
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Sieben weltliche, soziale und politische Todsünden
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Sieben weltliche, soziale und politische Tugenden
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Gruppenegoismus: Nur die Interessen der eigenen Partei verfolgen, einer Lobby, der eigenen Gruppe, einer Minderheit, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen.
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Solidarität: Außenstehende und schwache Personen oder Gruppen unterstützen.
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Opportunismus:
Sich aus Eigennutz so verhalten, wie es die gerade Herrschenden und Mächtigen erwarten.
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Zivilcourage: Sich mutig für andere einsetzen oder gegen Ungerechtigkeit vorzugehen, trotz Gefahren eigener Nachteile.
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Korruption: Bestechung und Erpressung einsetzen, um politische Ziele zu erreichen.
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Integrität: Anständigkeit, Ehrlichkeit, Vertrauenswürdigkeit, Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit,
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Manipulation: gezielte, verdeckte Beeinflussung von Menschen und Medien, um sie zu einem bestimmten Denken, einer Haltung und einem Verhalten bewegen. Versprechen machen, aber sie dann nicht halten.
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Authentizität: Authentizität bedeutet, im Einklang mit den eigenen Werten und Überzeugungen zu reden, zu handeln und zu leben – auch wenn das manchmal unbequem ist oder nicht dem entspricht, was andere erwarten.
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Ausbeutung: Volk, Arbeitskräfte und Ressourcen ausbeuten. Sich das Geld und Vermögen des eigenen Volkes und anderer Länder aneignen.
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Wohlfahrt: Streben nach Wohlstand und Wohlbefinden in der Gesellschaft durch soziale Programme, Dienstleistungen und andere Maßnahmen.
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Unterdrückung Verfolgung der Opposition, Medien, Lobbyisten, Ideologien, Meinungen.
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Freiheit: Meinungs- und Redefreiheit, Versammlungsfreiheit, Wahlfreiheit, Freie Lehre.
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Ausgrenzung: Unter Ächtung, Strafe und Verbot stellen, was nicht den eigenen Werten und Zielen entspricht oder die eigene Macht gefährdet.
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Integration: kulturelle, soziale, politische Teilhabe und Inklusion.
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Folge der Sünde
Was sind die Konsequenzen der Sünde? Der Lohn, den die Sünde zahlt, ist der Tod (Rö 6:23). Was ist damit gemeint? Wenn wir nicht Gottes Maßstab (für das Leben) entsprechen, werden wir kein (ewiges) Leben bekommen. Das Leben ist eine Gabe Gottes, die er denen gibt, die seine Bedingungen erfüllen. Diese Abhängigkeit beschränkt die Freiheit der Menschen, aber führt dazu, dass sie sich entsprechend verhalten, zu ihrem eigenen Nutzen und dem der Gesellschaft, heute und in der Zukunft.
Was sind die Konsequenzen einer Sünde?
Folge für unser Verhältnis mit Gott
Wenn wir sündigen, kann dies Einfluss auf unser Verhältnis zu Gott haben, dieses belasten oder gar zerstören. Vergleichbar mit Beziehungen zu uns nahestehenden Personen, wie dem Ehepartner. Gott ist heilig und er erwartet von seinen Vertretern, dass auch sie heilig sind (1. Petrus 1:14-16). Aber auch schon, wenn wir Gott nur bekennen, sollten wir im Sinn behalten, dass die Menschen aufgrund unseres Verhaltens Rückschlüsse auf Gott ziehen (Titus 1:16). Und so wie wir, ist auch Gott an seinem guten Ruf interessiert. Jesus stellte die Heiligung des Namens Gottes im sogenannten „Vater Unser“ voran (Matthäus 6:9). Alle werden ermahnt in geistlicher und religiöser Hinsicht reinzubleiben (2. Korinther 6:16,17). In der Welt gibt es viele gottentehrende Lehren und Praktiken. Wir sollten uns vor diesen hüten.
Im Folgenden wollen wir betrachten, welche Konsequenzen eine einzelne Tatsünde haben kann. Es ist gut, sich bereits im Vorfeld darüber im Klaren zu sein, denn das kann einen davor bewahren, die Sünde zu begehen.
Folge für uns selbst
Welche Folgen hat es denn, wenn wir sündigen für …
Unser Wohlempfinden?
Das hängt davon ab, wie wir zu Sünde im Allgemeinen und der begangenen Sünde im Besonderen eingestellt sind:
· Halten wir es nicht für eine Sünde und auch nicht für moralisch verkehrt, so haben wir kein schlechtes Gewissen. Vielleicht sind wir nicht unbedingt stolz drauf, aber wir stehen zu unserer Tat.
· Heißen wir unser Verhalten nicht für gut, so fühlen wir uns nicht gut. Wir ärgern uns vielleicht über uns selbst. Aufgrund der Umstände, wie gesundheitliche Einschränkungen, Verpflichtungen, oder einer bestehenden Notlage, mögen wir unser Verhalten aber rechtfertigen oder sogar entschuldigen.
· Verurteilen wir das, was wir getan haben, so haben wir ein schlechtes Gewissen. Die Sünde kann dann zu negativen Gefühlen wie Schuld, Scham und Angst führen und sogar zu körperlichen und geistigen Problemen. Das sind zumindest die unmittelbaren Folgen. Im nächsten Schritt könnten wir für unsere Sünde geradestehen. Gelingt uns das, so können wir wieder ein reines Gewissen, Herzensfrieden und Frieden mit Gott haben.
Welche Folgen hat es denn, wenn wir sündigen für …
Unseren Wohlstand?
Handelt es sich bei der Sünde auch um eine Straftat, dann hängen die Konsequenzen davon ab, ob diese Straftat bekannt und verfolgt wird. Wenn wir für eine Sünde geradestehen bzw. geradestehen müssen, müssen wir mit Konsequenzen rechnen, einer Strafe, der Verpflichtung zur Wiedergutmachung oder den Verlust von Privilegien.
Welche Folgen hat es denn, wenn wir sündigen für …
Unseren Ruf?
Das hängt von der Art der Sünde ab und inwieweit die Sache publik geworden ist. Unser Ansehen und unsere Beziehungen könnten darunter leiden, was sich wiederum auf unseren Wohlstand auswirken kann.
Folge für andere
Wir schaden anderen, wenn wir gegen sie sündigen. Es kann zu Konflikten und Streit führen, worunter wir wiederum auch selbst leiden. Nesonders Sünden gegen Gott können eine ganze Gesellschaft vergiften und Ungerechtigkeit, Gewalt und Zerstörung herbeiführen. Unter dem Gesetzesbund musste die Gemeinschaft gegen den Sünder vorgehen. Gemäß Hesekiel 20:7,18 wurde durch Unsittlichkeit und Götzendienst das Land verunreinigt. Gott forderte von den Führern des Volkes, etwas zu unternehmen. Ansonsten würden sie sich mitschuldig machen.
Erbsünde und freier Wille
Viele betrachten die Erbsünde als einen grundlegenden Mangel oder eine Veranlagung zur Sünde, die auf das erste Menschenpaar zurückgeht und den Menschen von Gott trennt und sein Leben negativ beeinflusst. Häufig wird von der sündigen Natur des Menschen gesprochen. Weil Gott keine Sünde duldet, ist die Versöhnung durch den Opfertod Jesus notwendig. Aufgrund der Erbsünde ist der freie Wille des Menschen mindestens eingeschränkt. „Nicht, was wir wollen, tun wir, sondern das, was wir nicht wollen, treiben wir“ (Römer 7:19). Hinzukommen die Umstände, wie Krankheiten und Nöte, die unsere Willenskraft schwächen. Unsere Triebe, Begierden und Süchte können dann stärker sein. Vielleicht wollen wir auch einfach das eine mehr als das andere. Auch wenn wir nicht voll verantwortlich sind, so bleiben wir doch voll verantwortlich, wenngleich wir vielleicht mildernde Umstände geltend machen können.
Es gibt aber Gelehrte, die diese Vorstellung von der Erbsünde ablehnen. Der Mensch ist bei seiner Geburt demnach unbelastet, er muss sich zwar erst noch entwickeln, verfügt aber grundsätzlich über einen freien Willen, den er dazu gebrauchen kann, Gottes Maßstäbe zu beachten oder nicht, das Gute zu tun oder das Schlechte. Das gehört zum „Mensch sein“ dazu. Die ersten Menschen missbrauchten ihren freien Willen und aßen ohne Not vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Die Menschen hatten nicht die Neigung zum Schlechten in sich, sondern das Potenzial dazu. Sie waren für ihr Handeln voll verantwortlich und wurden deshalb von Gott zur Rechenschaft gezogen.
Wir erben die Sünde insofern, weil wir, so wie die ersten Menschen nach ihrer Sünde, nicht dem Maßstab Gottes entsprechen. Demnach erben wir nicht die Sünde, sondern die Folge ihrer Sünde.
Wenn jemand sündigt, dann muss oft nicht nur er die Folgen tragen, auch seine Nachkommen leiden darunter (2.Mose 34:7). Als Folge der Sünde wurden die Menschen aus dem Paradies vertrieben und hatten keinen Zugang mehr zum Baum des Lebens. Das galt auch für ihre, noch ungeborenen, Kinder, und das gilt auch für uns. Schließlich werden alle krank, alt und sterben. Wir selbst können daran nichts ändern.
Wir können uns das Leben nicht verdienen, auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen und noch so gerecht sind. Es ist eine Gabe Gottes. Wir sind abhängig von Gottes Vorkehrungen zum Leben. Die ersten Menschen waren auch abhängig von Gott. Sie brauchten den Zugang zum Baum des Lebens, der ihnen aber nach ihrer Sünde verwehrt war. Es hätte auch nichts gebracht, wenn sie zwar körperlich vollkommen gewesen wären, aber moralisch verkommen. Früher oder später wären sie übereinander hergefallen, wie das Beispiel Kain und Abel zeigt. Aber Gott hat für eine andere Vorkehrung gesorgt. Im Mittelpunkt dieser Vorkehrung steht Jesus Christus, zu dem alle Zugang haben. Er hat mit seinem Opfer das Lösegeld bezahlt, um uns von Sünde und Tod zu befreien.
In Römer 5:18,19 lesen wir: “Wie es also durch eine Verfehlung zur Verurteilung für Menschen von allen Arten kam, so kommt es auch durch einen Akt der Rechtfertigung für Menschen von allen Arten zu deren Gerechtsprechung zum Leben. 19 Denn so, wie durch den Ungehorsam des einen Menschen viele zu Sündern gemacht wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen viele zu Gerechten gemacht werden“.
Der sündenlose Adam versagte in der Prüfung und nahm von der verbotenen Frucht und brachte so Sünde und Tod über sich und seine Nachkommen ohne die Hoffnung auf eine Auferstehung. Der sündenlose Jesus Christus bestand die Prüfung durch den notwendigen Tod am Kreuz und befreite so die Menschheit von Sünde und dem ewigen Tod. Jesus bewahrt die Menschen allerdings nicht vor dem Tod in diesem Leben. Jesus ist nicht stellvertretend für uns gestorben, sonst würden wir ja überhaupt nicht zu sterben brauchen. Allerdings hat Jesus für uns stellvertretend gesühnt. Adam stürzte die Menschheit in Sünde, Jesus befreit die Menschheit von Sünde. Doch dazu musste er sterben. Sein Opfertod ermöglicht uns die Sündenvergebung und einen gerechten Stand vor Gott bereits jetzt, und in Zukunft eine Auferstehung. Wenn wir an diesen sinnbildlichen Baum glauben und uns davon ernähren.
Manche wollen den Menschen schlecht und sündig erscheinen lassen, um die Größe und Gnade Gottes hervorzuheben.
Sie machen sich und andere klein, um Gott zu ehren. Aber so wird ein negatives Menschenbild gefördert und Menschen bekommen Probleme mit ihrer Würde und Selbstachtung.
Deshalb wird der Mensch oft als gut und gerecht dargestellt. Und wenn er etwas verkehrt macht, dann braucht er nicht zu verzweifeln, weil er trotzdem gerecht vor Gott dastehen kann, wenn er sich nur an Gottes Vorgaben hält. Andererseits warnt die Bibel vor Selbstüberschätzung, Stolz und Hochmut. Wir sollten nicht zu positiv von uns denken, sonst könnten wir eingebildet und für Rat unempfänglich werden. Es kommt darauf an, ein realistisches Bild von uns selbst zu haben, uns so zu sehen, wie Gott uns sieht.
Es gibt auch Versuche, den Begriff der Erbsünde mit der Vorstellung einer ererbten Kollektivschuld zu verbinden, als ob die Zugehörigkeit zu einem Volk oder einer Gruppe die Individuen schuldig machte.
Dann gibt es noch den Versuch, den Menschen wegen seiner Anfälligkeit zu bevormunden und zu überwachen. Der Staat müsste demnach den Menschen davor bewahren zu sündigen, wobei der Staat dann festlegt, was richtig und was falsch ist.
Der Mensch wird so aber seiner Freiheit und Selbstverantwortung beraubt.
Statt von Erbsünde könnte man von Grundsünde sprechen. Ein Neugeborenes entspricht, in seinem Stadium, vielleicht dem Maßstab Gottes, ist aber sicher nicht das Ziel Gottes. Das Baby soll erwachsen werden und Reife erlangen.
Sünde und Schuld
Sünde hat schon keinen guten Ruf, für Schuld gilt das noch mehr. Niemand möchte sich schuldig fühlen. Sie ärgern sich, sind enttäuscht, haben Angst. Aber ein schlechtes Gewissen kann das Gefühl einer Schuld entstehen lassen. Vergleichbar mit Schmerzen. Keiner möchte leiden, aber die Schmerzen können ein Hinweis auf schwerwiegendere gesundheitliche Probleme sein. Unser Gewissen kann uns auf ein gestörtes Verhältnis zu Gott aufmerksam machen, auf die Schuld. Wir sind dann in der Verantwortung die Schuld zu begleichen.
Jesus setzt Sünde mit Schuld gleich. Und wir sollten Gott um Vergebung unsere Schuld bitten, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben. Gott erwartet, dass wir unseren Schuldnern vergeben. (Matthäus 6:12,14).
Gott ist demnach bereit unsere Schuld zu vergeben, wenn wir sie bekennen. Aber Menschen tun sich schwer Schuld zuzugeben:
Sie schämen sich, oder fürchten Nachteile, eine Strafe, Ächtung. Deshalb wird die Schuld oft nicht oder nur teilweise zugegeben. Schuld wird dann geleugnet, verdrängt oder sogar anderen zugewiesen. (1. Mose 3:12, 13) „Und der Mensch sagte weiter: „Die Frau, die du mir beigegeben hast, sie gab mir [Frucht] von dem Baum, und so aß ich.“ Gott sprach hierauf zur Frau: „Was hast du da getan?“ Darauf erwiderte die Frau: „Die Schlange — sie betrog mich, und so aß ich.“
Aber die ersten Menschen entgingen ihrer verdienten Strafe nicht. Auch wir sollten Zucht und Zurechtweisung annehmen und entstandenen Schaden wiedergutmachen.
Es ist modern, anderen die Schuld zu geben, um sein eigenes Handeln zu entschuldigen. Die Gesellschaft ist schuld, die Politik, die Kirche, die Geschichte. Man selbst begreift sich als deren Opfer, ohne die eigene Verantwortung oder Mitverantwortung überhaupt benennen zu müssen. Schuld, die traditionell konkreten Personen zugerechnet wurde, wird nun den anonymen Systemgeflechten der modernen Gesellschaft zugewiesen. Die einen empören sich ständig und klagen an und die anderen müssen sich ständig rechtfertigen.
Der Gottesdienst bietet einen Schutz- und Freiraum in einer Gesellschaft, in der Schuld vor allem als Vorwurf und Verurteilung präsent ist. Wir müssen uns nicht selbst vor Gott rechtfertigen. Gott will uns nicht anklagen oder drohen, sondern uns von der Schuldenlast befreien. Schuld muss deshalb nicht mehr verleugnet oder verdrängt werden.
Gott vergibt den Menschen, durch Jesu Tod am Kreuz, der ihre Schuld auf sich nimmt und die Macht der Sünde durchbricht. So kann jeder Mensch, der sich die Vergebung von Gott schenken lässt, von seiner Schuld frei werden und in Frieden mit Gott leben. Wir mögen Schuld haben, aber Jesus bezahlt für uns (Matthäus 20:28). Wir sind dann frei von Schuld.
Dennoch vermeiden viele ein schlechtes Gewissen und Selbstvorwürfe. Sie ignorieren ihr verkehrtes Treiben. Sie glauben nicht an Gott und ein Leben nach dem Tod und möchten Spaß haben. Aber ein Leben ohne Gott löst nicht die Probleme. Spannungen, Ängste, Verzweiflung und das schlechte Gewissen lassen sich verdrängen, aber kochen doch unterschwellig. Und sicherlich ist es gut sein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu hinterfragen und sei es nur um den eigenen Ansprüchen zu genügen.
Sündenvergebung bzw. Rechtfertigung
Die Herausforderung ist, den Menschen gleichzeitig als Sünder und von Gott Gerechtfertigten und somit als Gerechten zu begreifen.
Grundsätzliches zur Sündenvergebung
Gottes Gnade und Gottes Gerechtigkeit
Eine Sünde ist eine Verfehlung bzw. Missachtung der göttlichen Maßstäbe. Gott obliegt es, wie er jetzt verfährt. Gott hasst Sünde, aber nicht den Sünder. Er möchte, dass sich seine Geschöpfe weiterentwickeln und in dem von ihm abgesteckten Rahmen bleiben. Gott kann die Sünde nicht tolerieren, aber er kann und möchte Sünden vergeben, damit die Menschen wieder in einem guten Verhältnis zu ihm stehen können. Allerdings fordert er, dass sich die Menschen an seine Bedingungen halten.
Sühne
Für die Sünde muss Sühne geleistet werden. Unter dem Gesetzesbund mussten die Israeliten als Einzelne Tieropfer darbringen, und einmal im Jahr am Sühnetag, brachte der Hohepriester Tieropfer zugunsten der Leviten und des Volkes dar. Obwohl im Hebräerbrief darauf hingewiesen wird, dass es unmöglich ist, dass das Blut von Stieren und Ziegenböcken Sünden wegnimmt (Hebräer 10:4). Nur weil es Gott so festlegte und guthieß, waren die Sünden durch die Tieropfer getilgt. Auch Jesu Tod am Kreuz allein würde nichts nützen. Erst weil Gott das sündensühnende Opfer anerkannte, wurde dadurch Vergebung möglich (Hebräer 10:5-10). Aber ist das gerecht, wenn jemand für einen anderen die Schuld tilgt? Sollte sich nicht jeder für seine eigene Schuld verantworten müssen?
Es kann auch sein, dass jemand sündigt, aber einem anderen werden die Sünden untergeschoben. Wenn z.B. die Führer des Volkes die Fürsorge außer Acht lassen und die Armen stehlen müssen um zu überleben.
Glauben als Voraussetzung für Vergebung
Damit die Menschen davon profitieren können, ist aber aufrichtiger und echter Glauben notwendig. Gott spricht die Gläubigen gerecht (Römer 3:21-24). 21 Nun aber ist Gottes Gerechtigkeit ohne Gesetz offenbar gemacht worden, wie sie durch das GESETZ und die PROPHETEN bezeugt wird, 22 ja, Gottes Gerechtigkeit durch den Glauben an Jesus Christus für alle, die Glauben haben. Denn da ist kein Unterschied. 23 Denn alle haben gesündigt und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes, 24 und als freie Gabe werden sie durch seine unverdiente Güte gerechtgesprochen aufgrund der Befreiung durch das von Christus Jesus [bezahlte] Lösegeld.
Dadurch werden die Sünden ausgelöscht, bzw. die Schuld bezahlt.
Der wirklich Gläubige lässt sich von Gott unterweisen und zurechtweisen: „Viele werden gereinigt, geläutert und geprüft werden, aber die Gottlosen werden gottlos handeln; die Gottlosen werden es nicht verstehen, aber die Verständigen werden es verstehen“ (Daniel 12:10).
Vergebung des Mitmenschen
Schließlich sollten wir, wenn die Voraussetzungen dazu vorliegen, unseren Mitmenschen vergeben (Lukas 17:3, 4; Kolosser 3:13). Wer sich grundsätzlich weigert, anderen zu vergeben, kann nicht erwarten, dass Gott ihm vergibt (Matthäus 6:14, 15). Allerdings bedeutet das nicht, dass Christen vergeben müssen, wenn z.B. keine Reue zu erkennen ist, haben wir kein Recht zu vergeben, denn sonst würden wir den Täter noch in seinem verkehrten Lauf bestärken. Zu vergeben kann dann eine Sünde sein. Wir sind aufgerufen das Gute zu lieben und das Böse zu hassen.
Wenn jemand gegen uns sündigt, so liegt es bei uns, wie wir weiter verfahren wollen. Die Liebe könnte uns veranlassen über ein Fehlverhalten hinwegzusehen (Sprüche 19:11). Siehe Matthäus 18:18-21. Kommen wir zu dem Schluss, dass die Angelegenheit nicht einfach abgehakt werden kann, sollten wir uns der Angelegenheit annehmen und sie dann entweder abgeben oder vergeben. Abgeben können wir diese an Verantwortliche und sogar an Gott. Auf jeden Fall sollten wir uns nicht zu sehr damit belasten und sie lieber in die Schublade legen und vielleicht können wir sie nach einiger Zeit auch im Papierkorb entsorgen, besonders wenn unser Schuldner aus seinem Fehler gelernt hat. Wenn derjenige aber seinen schlechten Lauf fortsetzt und andere in ähnlicher Weise schädigt, so können wir die Angelegenheit auch wieder hervorholen oder müssen es vielleicht sogar, um andere vor Wiederholungstätern zu schützen. Es gibt gute Gründe sich dafür zu entscheiden zu vergeben. Zum einen straucheln wir alle oft mit der Zunge (Jakobus 3:2). Es ist gut, wenn wir uns versöhnen und Frieden untereinander, besonders im gemeinsamen Umfeld, haben.
Vergebung bedeutet, das Böse nicht anzurechnen.
In den meisten Fällen sollte es kein Problem sein, von Herzen zu vergeben (Matthäus 18:35).
Manchmal aber kann es sehr schwerfallen, negative Gefühle gegenüber der Person zu überwinden. Es kann Zeit erfordern, besonders wenn es beim Sünder an Einsicht und Reue mangelt. Niemand ist gezwungen zu vergeben, aber zumindest sollte man auf Vergeltung verzichten, die Angelegenheit an Gott übergeben und sich möglichst nicht weiter damit belasten (Römer 12:17-21). Fatal wäre es, Groll gegen die Person zu hegen, so lässt man sich nämlich immer wieder aufs Neue verletzen.
Ziel ist die Buße bzw. Umkehr des Sünders
Das hebräische Wort für Buße bedeutet Umkehr. Für Gott ist vorrangig, dass der Sünder sein verkehrtes Verhalten aufgibt und in Zukunft das Rechte tut.
„Naht euch Gott, so naht er sich euch. Reinigt eure Hände, ihr Sünder, und heiligt eure Herzen, ihr Wankelmütigen“ (Jakobus 4:8).
Wir tun leider immer wieder etwas Verkehrtes. Deshalb sollte Buße eine innere Haltung, eine Lebenseinstellung, sein.
Dazu gehört die Bereitschaft das eigene Verhalten zu reflektieren und zu Gottes Gerechtigkeit umzukehren.
Gott gewährt einen Neuanfang
Und was ist mit den Sünden eines Neubekehrten?
Wer hinsichtlich der Welt stirbt und ein Neues Leben beginnt, also eine Neue Schöpfung geworden ist, ist von seinen früheren Sünden freigesprochen bzw. gerechtgesprochen (Römer 6:7).
Vorgehen bei einer Sünde
Im Folgenden die biblischen, grundsätzlichen Schritte zur Sündenvergebung:
Erkenntnis der Sünde
Ich kann nur eine Sünde bekennen, wenn es sich auch um eine Sünde handelt. Woher weiß ich, dass es eine Sünde ist? Es könnte sich auch um ein Menschengebot handeln, um eine Regel, die nicht göttlichen Ursprungs ist. Wenn es sich aber um eine Sünde handelt, so sollten wir die Sünde nicht leugnen (1.Johannes 1:10).
Zusätzlich: Vielleicht ist es angebracht sich mit den Begleitumständen näher zu vefassen. Warum ist es so weit gekommen? Vielleicht aus Menschenfurcht? Stress, Gedankenlosigkeit?
Bekenntnis der Sünde
Eingeständnis der Sünde zumindest gegenüber Gott, vielleicht auch gegenüber den Betroffenen und Verantwortlichen.
„Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (1.Johannes 1:9).
Das demütige Bekenntnis hilft, das eigene Gewissen zu bilden, wachsam zu bleiben, und geistig zu wachsen.
Zusätzlich: Gibt es sonst noch Sünden, die wir bekennen sollten?
Bedauern der Sünde
Reue über die begangene Sünde. Reue ist ein tiefes Bedauern über eine als unrecht, übel, und falsch erkannte Handlungsweise. Es tut einem leid, verkehrt gehandelt zu haben. Am liebsten würde man die Sache ungeschehen machen. Es kommt zu einer Sinnesänderung. Die Bibel fordert immer wieder zur Reue auf (Apostelgeschichte 2:38; 3:19).
Zusätzlich: Warum war das, was ich getan habe, verkehrt?
Wille zur Besserung
Entschlossenheit dieselbe Sünde nicht wieder zu begehen.
Zusätzlich: Wie kann ich vorbeugen, dass ich in Zukunft in einer vergleichbaren Situation nicht wieder sündige? Oder wie kann ich es vermeiden in Zukunft überhaupt in eine solche Situation zu kommen?
Annahme von Zucht und Zurechtweisung
Man ist bereit Zucht und Zurechtweisung anzunehmen (Sprüche 3:11,12; Hebräer 12:11).
Bitte um Verzeihung
Gott im Namen Jesus um Vergebung bitten (Matthäus 6:12).
Wir können uns auf die Verdienste Jesus Christi berufen, der für unsere Sünden gestorben ist.
Mancher mag sich fragen: Wieso sollte ich Gott noch um Vergebung bitten, er weiß doch sowieso schon, dass es mir leidtut.
Zusätzlich: Habe ich meinen Mitmenschen vergeben (Matthäus 6:14)? Hege ich Groll oder andere negative Gefühle gegenüber jemanden?
Wiedergutmachung
Wenn wir gegen unsere Mitmenschen gesündigt haben, dann ist es angebracht uns zu entschuldigen und so weit möglich den angerichteten Schaden wiedergutzumachen (2. Korinther 7:11).
Zusätzlich: Wenn wir gegen Gott gesündigt haben, dann könnten wir uns selbst etwas auferlegen als Zeichen der Reue und des guten Willens, „Werke tun, die der Reue entsprechen“ (Apostelgeschichte 26:20).
Schwächen
Unterschied Schwäche – Sünde
Viele sind wegen ihrer Schwächen entmutigt. Besonders wenn sie oder ihr Umfeld die Schwächen als Sünden einstufen. Aber sind es wirklich Sünden? Oder sind es nur Gewohnheiten, die die eigene Religion als solche definiert hat und die Geistlichen nicht tolerieren wollen?
Um festzustellen, ob etwas wirklich eine Sünde ist, könnten wir uns fragen: Schaden wir uns damit selbst, schaden wir anderen oder gefährden, belästigen wir sie wenigstens? Es ist gut und angebracht, Rücksicht auf andere zu nehmen, aber ist es nicht übertrieben sich als Erwachsener von anderen vorschreiben zu lassen, was zu tun und was zu lassen ist? Es gibt vieles, was einfach eine Geschmacksfrage, bzw. eine Gewissensentscheidung ist. Da ist dann Toleranz gefragt.
Sind Masturbation, sexuelle Fantasien, und dergleichen tatsächlich Sünden?
Was, wenn ich zum Beispiel gerne Bier trinke, Bier schmeckt mir, und ich trinke davon täglich zwei bis drei Liter. Ist das ein Problem? Manch einer mag Anstoß daran nehmen. Aber wie sieht Gott die Angelegenheit? Solange ich nicht angetrunken bin und niemanden Schaden zufüge, ist es da nicht meine Privatangelegenheit? Es wäre unvernünftig sich die Freude an den Dingen des Lebens von anderen madig machen zu lassen.
Oder, was, wenn ich gerne Kaffee trinke. „Ich brauche jeden Morgen Kaffee“ und dann noch vier, fünf Tassen tagsüber. Bin ich deshalb vom Kaffee abhängig?
Ein Mensch ist von vielen Dingen abhängig: Essen, Trinken, sSchlafen, Atmen, … Wir können nicht ganz darauf verzichten. Aber wer legt fest wieviel normal ist, und wieviel zu viel ist?
Oder wie ist es mit Filmen, ab wann ist der Film zu pornografisch, zu gewaltsam, zu spiritistisch, zu vulgär, zu herabsetzend?
Wann sind Spiele zu brutal, zu sexistisch, zu destruktiv, zu egozentrisch, zu versklavend? Schade ich irgendjemanden, wenn ich Filme schaue und am Computer spiele?
Unterschied Schwäche - Freude
Handelt es sich bei den Schwächen in Wirklichkeit nur um Dinge, die zum Leben dazu gehören und einfach Freude machen?
Lust und Leidenschaft machen den Menschen Spaß.
Statt uns selbst zu quälen mit dem Eingeständnis: „Ich bin schwach geworden!“ könnten wir unser Treiben bejahen: „Ich habe mich der Lust hingegeben!“
Zu spielen bereitet nicht nur Kindern Vergnügen. Aber es gibt Nörgler, die meinen, wer lacht, verkennt den Ernst und Sinn des Lebens und bedenkt die Konsequenzen nicht. Aber wie heißt es? Wer nicht genießen kann, wird schließlich selbst ungenießbar. Natürlich sollten die Vergnügungen nicht den Mittelpunkt unseres Lebens bilden, sonst verlieren wir das Wichtigere des Lebens aus dem Auge (Lukas 8:14).
Umgang mit hartnäckigen Schwächen
Wer auf einem Gebiet Schwächen hat, sollte sich davon nicht runterziehen lassen. Auf anderen Gebieten ist er vielleicht stark und hat schon tolle Erfolge und Fortschritte erzielt.
Menschen sind unterschiedlich. Sie haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Wenn Gott das Negative sieht, dann sieht er bestimmt auch das Positive und berücksichtigt es. Gott kennt die Beschaffenheit und Grenzen der Menschen.
Machen wir uns nicht selbst runter, indem wir nur auf unsere Schwächen und Fehler achten! So wie der Leib viele Glieder hat, so haben wir als Einzelne unterschiedliche Talente und auch die Christenversammlung als Ganzes, wovon alle profitieren (1.Korinther 12:12-27).
Die geistlichen Führer zur Zeit Jesu bürdeten den Menschen viele Lasten auf, wodurch sie die Menschen herunterzogen (Matthäus 23:2-4). Sie meinten, um das Gesetz noch einen Zaun bauen zu müssen, damit die Menschen gar nicht in die Gefahr gerieten Gottes Gebote zu übertreten. Sie konzentrierten sich mehr darauf, das Verkehrte zu vermeiden, als das Richtige zu tun.
Gott möchte die Menschen aufbauen und ihnen helfen Fortschritte zu machen, ohne sie zu überfordern. Bei einem Bogenschützen erwartet auch niemand, dass er ständig mitten ins Schwarze trifft.
Aber mit Hilfe des Trainers und eigenen Anstrengungen kann er sich verbessern.
Viele wenden sich im Gebet an Gott und bitten ihren Trainer um die Hilfe des Heiligen Geistes, insbesondere um die Frucht des Geistes, vor allem um Selbstbeherrschung (Galater 5:22,23).
Sünden meiden
Wie kann ich Sünden meiden, im Glauben stark bleiben, Fortschritte machen und das Richtige tun?
Wobei es mit zunehmendem Alter weniger darum geht, Fortschritte zu machen, als darum, durchzuhalten.
1. Am Anfang steht die richtige Herzenseinstellung. Wer etwas erreichen möchte, muss es zunächst einmal wollen. Gott kann gemäß Philipper 2:13 das Wollen in uns bewirken. Viele bitten Gott im Gebet um Willen, Kraft und Hilfe. Aber ohne weitere eigene Anstrengungen wird es nicht gehen. Und am Ende geht es noch darum, das Richtige zu tun und darin auszuharren (Philipper 4:6-9).
2. Im Vordergrund steht das Verhältnis zu Gott und Jesus Christus. Gemäß Johannes 17:3 sollten wir sie besser kennenlernen. Unsere Liebe zu Gott und Jesus zeigt sich darin, ihre Gebote zu beachten und die sind nicht schwer (1.Johannes 5:3; Johonnes 14:15). Zumindest meistens. Gerade, wenn der Druck größer wird ist Glaube notwendig, dass Gott Einsatz und Loyalität segnen wird.
3. Dann kommt das Verhältnis zu mir selbst. Liebe ich mich selbst? So wie ich bin, oder so wie ich sein möchte, oder sein sollte? Ist es mir wichtig Fortschritte zu machen? Reflektiere ich mein eigenes Verhalten und bin ich mir meiner eigenen Fehler bewusst? Die eigenen Fehler und Schwächen anzuerkennen ist der Anfang sie zu überwinden.
4. Gute Routine. Ich könnte mir selbst Regeln verordnen, Grenzen stecken, oder auch konkrete Ziele setzen und mich darin üben, wie auch im Verzicht und in der Selbstbeherrschung. Manche fasten von Zeit zu Zeit. Sie verzichten auf etwas, um sich geistigen Interessen zu widmen. Das sollte aber nicht zum Zwang werden, sondern freiwillig bleiben, auch sollte ich nicht meinen, gerecht zu sein, wenn ich meine eigenen Regeln befolge. Wenngleich es befriedigend ist, seine gesteckten Ziele zu erreichen. Und eine gewisse Übung in nützlichen geistigen Gewohnheiten hilft einem geistig und moralisch stark zu bleiben und zu werden.
Wichtig ist, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und auf Grundsätze zu achten und weniger auf Regeln Wert zu legen.
Wobei wir uns zu sehr mit uns selbst beschäftigen und unsere Mitmenschen außer Acht lassen könnten.
5. Es kommt auch an auf das Verhältnis zu anderen und deren Interessen. Ist es mir wichtig, wie andere über mich und meinen Gott denken? Will ich ein Vorbild für sie sein? Soll es meinen Mitmenschen gut gehen, sollen auch sie Gottes Segen empfangen? Was tue ich dafür?
Bei dem Bemühen, guten Einfluss auf andere auszuüben, besteht allerdings die Gefahr, dass ihr schlechter Einfluss auf mich abfärbt.
6. Deshalb ist mein Verhältnis zum Guten und zum Bösen wichtig. Liebe ich das Gute und hasse ich das Böse? Bin ich mehr darauf bedacht das Schlechte zu meiden, anstatt das Gute zu tun? Wer mit Gutem beschäftigt ist, hat keine Zeit für das Schlechte. Gott berücksichtigt unsere guten Taten und unsere Liebe (Hebräer 6:10). Wobei wir nicht meinen sollten, unsere schlechten Taten mit guten Taten aufwiegen zu können, wenn auch Liebe eine Menge von Sünden zudeckt (1.Petrus 4:8).
Paulus bat den Herrn dreimal inständig, dass der Dorn in seinem Fleisch von ihm weiche, aber der Herr gab ihm zu verstehen, dass seine Kraft in Schwachheit vollkommen gemacht wird. Gottes Wirken wird besonders dann offensichtlich, wenn wir etwas gerade trotz unserer Schwachheiten erreichen. Paulus hatte deshalb Gefallen an Schwachheiten, an Beleidigungen, an Nöten, an Verfolgungen und Schwierigkeiten für Christus: „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich machtvoll“.
(2. Korinther 12:8-10).
Wenn wir es nicht aus eigener Kraft schaffen, dann sind wir uns der Abhängigkeit von Gott bewusst und suchen seine Hilfe. Gott bekommt die Ehre und wir die Hilfe und letztendlich auch die Ehre.
Sünde
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