Vorherbestimmung


Siehe Schicksal, Vorsatz, Prophezeiungen, Verheißungen, Prädestination, freier Wille, Freiheit, Geheimnis

Definition

Vorherbestimmung bedeutet, etwas im Voraus zu bestimmen, festlegen, was dann auch geschieht.

Das Wort „vorherbestimmen“ ist eine Wiedergabe des griechischen Verbs proorízō (von pro, „vor“, und horízō, „vorzeichnen“ Es kommt in Luk 22:22 vor: „Der Menschensohn geht hin, wie es vorgezeichnet [vorherbestimmt] ist.“ Für den Messias bestimmte Gott Leiden und Tod am Kreuz.

Vorherwissen bedeutet, etwas zu wissen, bevor es geschieht oder vorhanden ist; Vorherwiisen kann es jemand, der es selbst vorherbestimmt hat, oder dem es mitgeteilt wurde. Dann weiß auch er, dass es passieren wird.

Das Wort „vorherwissen“ ist eine Übersetzung des griechischen Ausdrucks prógnōsis (von pro, „vor“, und gnōsis, „Wissen“) (Apg 2:23) und bedeutet es zu wissen schon bevor es eintrifft. Wir kennen das ähnliche Wort Prognose, dabei wird eine Vorhersage über die Zukunft getroffen, die eigentlich nur eine Vermutung ist und auf bestimmten Fakten beruht. Aber Menschen können von sich aus nicht zweifelsfrei wissen, dass es genauso kommen wird.

Aus der Bibel geht deutlich hervor, daß Jehova Gott die Fähigkeit hat, etwas vorherzubestimmen. Gott bestimmt, was in Zukunft geschehen wird. „Er [Gott] tut von Anfang an den Ausgang kund und von alters her die Dinge, die nicht getan worden sind“ (Jes 46:10). Gott bestimmt nur das vorher, wozu er Lust hat und was er für notwendig und nützlich hält (Ps 115:3).

Gott teilt seinen Vertrauten mit, was sich in Zukunft ereignen wird, damit sie sich vorbereiten und darauf einstellen können. (Am 3:7, 8). Die ersten Christen wussten bestimmte Ereignisse und Umstände schon im Voraus, ohne alle Details zu kennen (2. Pe 3:17). Sie konnten sich dann darauf einstellen.

Da Gott über die notwendige Macht und auch andere Eigenschaften wie Wahrheit, Treue, Gerechtigkeit und Weisheit verfügt, kann niemand die Verwirklichung seiner Vorsätze und die Umsetzung seiner Pläne vereiteln. Er weiss also schon vorher, was geschehen wird und teilt dies oft anderen mit.


Zweck und Nutzen der Vorherbestimmung

A.     Beweis der Einzigartigkeit und Macht Gottes.
(Jes 44:6-9; 48:3-8). Gott fordert die Nationen und deren Götter auf ähnliche Rettungstaten oder Urteilsvollstreckungen voraussagen und eintreten lassen. Wozu sie aber nicht imstande sind. So fördert Gott bei den Gläubigen Vertrauen in seine Fähigkeit und Bereitwilligkeit seine Verheißungen zu erfüllen. Auf der göttlichen Fähigkeit, Dinge vorherzuwissen und vorherzubestimmen, beruhen alle wahren Prophezeiungen (Jes 42:9).

B.     Beweis der Wahrhaftigkeit Gottes.
Gott hält, was er verspricht und verwirklicht seinen Vorsatz und beteiligt seine Diener. Für Christem bedeutet dies sie können Teilhaber am Königreich werden, wodurch Gott dafür sorgt, dass die Erde ein Paradies werden wird.

C.    Beweis der Gerechtigkeit Gottes.
Gott findet sich nicht mit dem Bösen ab. Er wird zu seiner Zeit und auf seine Weise das Böse beseitigen. Immer wieder kündigt er in der Bibel die die Vollstreckung seiner Urteile an.  Er greift dann gemäß der vorliegenden Situation ein. Zum Besipiel untersuchte Gott die Klagen, die er über Sodom und Gomorrha erhielt und entschloss sich dann etwas zu unternehmen (1.Mo 18:20,21).
Gott warnt später oft die Menschen und vor allem seine Anbeter. Sie können umkehren und sich für das Gute entscheiden. Aber schließlich vollzieht Gott das Strafgericht.

D.    Beweis der Barmherzigkeit Gottes
Gott hat Mitleid mit den Menschen, besonders mit den Gerechten. Er hat sie immer wieder aus einer misslichen Lage befreit oder sie bei einer Bedrohung beschützt. Er hat sie im Voraus davon in Kenntnis gesetzt und ihnen mitgeteilt, wie sie sich zu verhalten haben. Sie können dann die notwendigen Schritte unternehmen, um sich und andere zu retten.

E.     Beweis der Liebe Gottes
Gott gibt uns Trost und Hoffnung. „Was in der Heiligen Schrift vor langer Zeit aufgeschrieben wurde, ist zu unserem Nutzen. Es ermutigt und tröstet uns, damit wir unsere Hoffnung auf Gottes Zusagen setzen und daran festhalten.“ (Rö 15:4). Er hat immer wieder bewiesen, dass er imstande ist, das Schlechte und Böse zu beseitigen. Deshalb können wir darauf vertrauen, dass es wieder machen wird und das versprochene Paradies Wirklichkeit werden wird.


Was Gott vorherbestimmt hat

In der Bibel werden Gottes Vorherwissen und Vorherbestimmung immer mit seinen Vorsätzen und seinem Willen in Verbindung gebracht. Ein Vorsatz ist etwas, was man sich bewußt vorgenommen hat, eine feste Absicht. (Das mit „Vorsatz“ wiedergegebene griechische Wort próthesis bedeutet wörtlich „Vorgesetztes“.) Da Gottes Vorsätze mit Sicherheit verwirklicht werden, kann er ihre Erfüllung oder ihre endgültige Verwirklichung voraussehen und deshalb auch die dazu erforderlichen Schritte vorherbestimmen (Jes 14:24-27). Was Gott vorherbestimmt, weiß er auch im Voraus. Gott lässt „alle seine Werke zum Guten derer mitwirken“, die ihn lieben (Rö 8:28).  

  1. Strafgerichte und Befreiungen
    Gott hat Strafgerichte vorbestimmt an den Bösen und den Feinden seines Volkes, aber auch an seinem Volk selbst, wenn es vom rechten weg abkam. Dabei konnte er diese Gerichte vorher ankündigen, da niemand es verhindern kann. Die Bösen zog Gott zur Rechenschaft, um die Gerechten zu befreien.
  2. Verheissungen und Ankündigungen
    Gott verspricht aufrichtigen und gläubigen Menschen eine wundervolle, ewige Zukunft. Er wird für ein erdenweites Paradies sorgen. Dabei offenbart Gott seine Vorsätze nach und nach.
  3. Berufungen und Befähigungen
    Gott beruft Einzelne bei der Verwrklung seiner Vorsätze mitzuhelfen. Dazu setzt er Führer, Richter, Könige und Priester ein, sendet Propheten aus, lässt Botschaften verkünden und Berichte und Weisheiten niederschreiben und Lieder komponieren. Schließlich berief er Jesus Christus und mit ihm 144.000 Mitregenten zu seinem Königreich (1.Pe 2:9). Wen Gott beruft, den unterstützt er auch mit seinem Geist.
    Christen bekommen Geistesgaben, um unter ihrem Führer jesus Christus der Gemeinde zu dienen und sie in ihrem Auftrag zu unterstützen.
  4. Ereignisse und Tätigkeiten
    Gott kündigte die Wegführung seines Volkes nach Babylon an, so wie die Rückführung nach 70 Jahren. Er bestimmte, dass der Tempel und die Stadtmauer wieder errichtet werden sollten. Später bestimmte er das weltweite christliche Predigtwerk (Apg 1:7).

Grenzen der Vorherbestimmung

A.    Willensfreiheit
Gott berücksichtigt bei der Vorherbestimmung den freien Willen seiner vernunftbegabten Geschöpfe, die er in seinem Bilde erschaffen hat (1.Mo1:26,27). Die Bibel zeigt, daß Gott ihnen das Vorrecht einräumt frei zu wählen (5.Mo 30:19, 20), wodurch sie allerdings für ihre Handlungen rechenschaftspflichtig werden (Rö 14:10-12). Die Prädestinationslehre behauptet, dass das Schicksal des Menschen vorherbestimmt sei. Das hat fatale Folgen, da die Menschen oft keine Verantwortung übernehmen und aktiv werden, weil sie eh nichts ändern können.

B.    Gottes Persönlichkeit
Gottes Vorherbestimmungen sind im Einklang mit seiner Persönlichkeit und seinen Eigenschaften zu denen Gerechtigkeit, Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit, Unparteilichkeit, Liebe, Barmherzigkeit und Macht zählen. Gott kann ‘die nicht vorhandenen Dinge rufen, als ob sie vorhanden wären’ (Rö 4:17).

C.    Gottes Grenzen
Aufgrund der Willensfreiheit des Menschen und Gottes Persönlichkeit unterliegt seine Vorherbestimmung gewisser Grenzen. Zum Beispiel weiß Gott nicht alles, was in Zukunft geschehen wird, sondern nur das, was er im Voraus bestimmt hat. Er muss dann noch dafür sorgen, bzw. garantieren, dass es so kommt. Gott kann nicht in die Zukunft sehen in dem Sinne, wie wir in die Vergangenheit schauen können. Was alles in Zukunft geschehen wird, ist wegen der Willensfreiheit der vielen Geschöpfe unmöglich. Gott kann keine Zeitreise in die Zukunft unternehmen. Gott könnte keinen Einfluss mehr auf die Zukunft ausüben, wenn die Zukunft schon feststeht. Es heißt zwar, „bei Gott sind alle Dinge möglich“, aber das ist relativ zu sehen (Mat 19:26).

D.    Gottes Gerechtigkeit
Die Ansicht, daß Gott das Leben und das Geschick der Menschen vorherbestimmt, ist weit verbreitet. Als Beispiel werden die Zwillingssöhne Isaaks angeführt, deren Leben Gott schon vor ihrer Geburt zum Teil vorherbestimmte (Rö 9:10-13). Auch wenn Jakob in besonderer Weise von Gott gebraucht wurde, so bedeutete dies nicht, dass Esau gänzlich verworfen wurde. Auch er wurde gesegnet und zu einem großen Volk. Gott bestimmte auch nicht das endgültige Los der beiden.
Gott wählt Personen aus, etwas für ihn und Sein Werk zu tun, wenn sie dazu bereit sind. Er kann so weit gehen, dass er seine Propheten inspririert Seine Worte und Gedanken zu verkünden und niederzuschreiben. Er gibt seinen Auserwählten Visionen und Träume. Wählt Gott auch Personen aus, das Schlechte und Falsche zu sagen und zu tun?
Der Apostel Jakobus schrieb, dass Unordnung und alles Schlechte nicht göttlichen Ursprungs sind (Jak 3:14-18).



Vorherbestimmte

Vorherbestimmung in Bezug auf Personengruppen

Gott wusste vorher, welchen Weg gewisse Personengruppen und Nationen einschlagen würden, und konnte es sogar vorhersagen. Aber Einzelne konnten auch einen anderen Weg einschlagen. Jehova hatte den Israeliten zwar in Aussicht gestellt, „ein Königreich von Priestern und eine heilige Nation“ zu werden, sofern sie seinen Bund hielten, doch später sagte er voraus, daß sie seinen Bund brechen würden (2. Mo 19:6; 5.Mo 31:16).

Jesus kündigte den Schriftgelehrten und Pharisäern als Klasse das „Gericht der Gehenna“ an (Mat 23:15, 33), aber er sagte nicht, daß jeder Pharisäer oder Schriftgelehrte von vornherein zur Vernichtung verurteilt sei; ein Beweis dafür ist der Apostel Paulus (Apg 26:4, 5). Jesus kündete für die reuelose Bevölkerung Jerusalems und anderer Städte Drangsal an, seine Jünger würden entrinnen (Mat 11:20-23; Luk 19:41-44; 21:20, 21). Jesu Apostel äußerten Prophezeiungen, über bestimmte Personengruppen, dem „Antichristen“ und „dem Menschen der Gesetzlosigkeit“ (1.Jo 2:18, 19; 2.Jo 7) und sahen deren Ende voraus, weil Gott es bestimmt hatte (2.Th 2:3-12; 2. Pe 2:1-3).

Gott hat Jesus und das Königreich bestimmt, als Mittel wieder alle Dinge im Himmel und auf Erden zusammenzubringen (Eph 1:9,10). Gleich nach dem Sündenfall im Garten Eden, noch vor Grundlegung der Welt, das heißt noch bevor die ersten Menschen Nachkommen gezeugt hatten, hat er einen Samen vorhergesagt, der den Kopf der Schlange zermalmen würde, welcher Same Jesus Christus und seine Miterben sind.

Vorherbestimmung in Bezug auf Einzelpersonen

Die Vorherbestimmung des Messias

Jehova Gott sagte das Leiden des Messias, seinen Tod und seine anschließende Auferstehung voraus (Apg 2:22, 23, 30, 31; 3:18; 1Pe 1:10, 11). Wenn Gott etwas durch Vorherbestimmung festgelegt hat, hängt die Verwirklichung sowohl von der Ausübung seiner Macht ab, als auch von der Handlungsweise der Menschen (Apg 4:27, 28). Gottes Widersacher, der Satan, versucht Gottes Pläne zu durchkreuzen (Joh 8:42-44; Apg 7:51-54). Gott sah aber die Absichten und Methoden voraus, die der Teufel gegen Jesus Christus, Gottes Gesalbten, ersinnen würde (2. Ko 2:11). Gott hätte durch seine Macht natürlich jegliche Angriffe auf den Messias verhindern können, aber er ließ sie zu, um seine Macht zu demonstrieren und damit Jesu Lauterkeit geprüft werden konnte.

Petrus schreibt, Christus sei „vor Grundlegung der Welt vorherbestimmt gewesen“, wird manchmal dahin gehend ausgelegt, dass Gott Jesus schon damals auserwählte (1Pe 1:20). Was Gott spätestens nach dem Sündenfall im Garten Eden beschloss, war, durch einen „Samen der Frau“ die Werke des Teufels abzubrechen (1.Mo 3:5; 1.Jo 3:8).

Zur gegebenen Zeit bestimmte Jehova Gott seinen einziggezeugten Sohn [Jesus] dazu, die für den „Samen“ vorhergesehene Rolle zu spielen und der Messias zu werden. Nichts deutet darauf hin, daß dieser Sohn schon vor seiner Erschaffung oder vor Beginn der Auflehnung in Eden für eine solche Rolle vorherbestimmt worden wäre. Auch wurde er von Gott schließlich nicht ohne guten Grund dazu erwählt. Da zwischen Gott und seinem Sohn eine enge Beziehung bestanden hatte, bevor dieser auf die Erde gesandt wurde, kannte Jehova ihn zweifellos gut genug, um ihm dieses Werk anzuvertrauen.

Vorherbestimmung der Miterben

Gott bestimmt ebenso Menschen, die zusammen mit Jesus das Königerich erben werden. „Denn in ihm [Jesus] hat er [Gott] uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir heilig und untadelig vor ihm sein sollten in der Liebe; er hat uns vorherbestimmt,seine Kinder zu sein durch Jesus Christus nach dem Wohlgefallen seines Willens“ (Eph 1:4,5). Aber Gott hat nicht die einzelnen Teilhaber am Königreich im Voraus bestimmt. Und wenn Gott jemanden zu diesem Königreich beruft, so muss dieser erst noch ein entsprechendes Leben führen, um tatsächlich zusammen mit Jesus zu regieren. Die Aussicht der Betreffenden, die „Krone des Lebens“ zu erhalten, hängt davon ab, dass sie sich unter Prüfungen als treu bis in den Tod erweisen (Off 2:10, 23; 3:11). Gott verschenkt die Plätze im Königreich nicht, sondern gibt sie denen, die die Voraussetzungen erfüllen.

Vorherbestimmung weiterer Einzelpersonen

Gott hat immer wieder Einzelpersonen bestimmt. Bei Simson, Jeremia und Johannes dem Täufer bestimmte Jehova schon vor ihrer Geburt ihr Leben. Das heißt aber nicht, daß er ihr endgültiges Geschick festlegte. Simson sollte gemäß dem Gelübde eines Nasiräers leben und die Befreiung Israels von den Philistern einleiten, Jeremia sollte als ein Prophet dienen und Johannes der Täufer als Vorläufer des Messias (Ri 13:3-5; Jer 1:5; Luk 1:13-17). Diese Vorrechte boten aber keine Gewähr dafür, daß sie bis zum Tod treu bleiben würden. Beispielsweise wurde König Salomo von Jehova bestimmt einen Tempel zu bauen (2. Sa 7:12, 13). Obwohl Salomo auf diese Weise besonders begünstigt wurde und einige Bibelbücher schrieb, wurde er im Alter abtrünnig (1. Kö 11:9-11).

Auch bei Esau und Jakob wurde durch Gottes Vorherbestimmung nicht ihr endgültiges Geschick festgelegt, sondern lediglich vorherbestimmt, welche der beiden Söhne das Erstgeburtsrecht erhalten würde und wessen Volk die Vorherrschaft erlangen würde. (1. Mo 25:23-26). Durch Jakob würde die Abstammungslinie des abrahamischen Samens fortgesetzt, die schließlich zu dem Messias führen sollte (1Mo 27:29; 28:13, 14).

Gott gewährt Vorrechte einem Menschen nicht aufgrund von Werken: „Er auserwählt nicht die Befähigten, sondern befähigt die Auserwählten“. Gott kann Einzelpersonen prüfen, indem er bestimmte Umstände oder Ereignisse eintreten oder die Betreffenden seine inspirierten Botschaften hören läßt, so daß sie aus freien Stücken eine bestimmte Herzenseinstellung entwickeln und Entscheidung treffen. Nichts deutet darauf hin, daß Gott Menschen gezwungen hätte, gegen ihren eigenen Willen zu handeln. Aucht nicht Pharao oder Judas Iskariot. Unter Prüfungen kann der Herzenszustand einer Person feste Formen annehmen, sich entweder in Ungerechtigkeit verhärten oder in Ergebenheit gegenüber Jehova wachsen.

Was Jehova über Josia vorhersagte, setzte voraus, daß ein Nachkomme Davids diesen Namen erhalten und gegen die falsche Anbetung in der Stadt Bethel vorgehen würde (1. Kö 13:1, 2). Nach über dreihundert Jahren erfüllte ein König namens Josia diese Prophezeiung (2. Kö 22:1; 23:15, 16). Gott konnte voraussehen, dass sein Vol wieder von der wahren Anbetung abweichen würde, was ihn wiederum veranlassen würde etwas zu unternehmen. Obwohl Josia von Gott bestimmt worden war, ein besonderes Werk zu verrichten, hatte er einen freien Willen und konnte einen Rat beachten oder missachten. Aber er „hörte nicht auf die Worte Nechos aus dem Mund Gottes“ und wurde getötet (2. Chr 35:20-24).

Gott erwählt auch Menschen, die nicht zu seinen Anbetern gehören. Jehova sagte voraus, er werde die Juden durch einen Cyrus aus Babylon befreien (Jes 44:26-28; 45:1-6). Dabei kann es sich bei Cyrus auch um einen Titel handeln oder um einen Cyrus aus der gleichnamigen Herrscherlinie. Cyrus kann seinen Namen auch von Gott nach Erfüllung seines Auftrages erhalten haben.


Vorherbestimmung in Bezug auf Ereignisse und Verhältnisse

Gott kann schon vorherwissen, was in Zukunft geschehen wird, ohne dass er es selbst vorherbestimmt hat, da er alle relevanten Fakten und auch die Herzen der Menschen kennt. Gottes Sohn, der ebenfalls ins Herz der Menschen schauen konnte (Mat 9:4), war von Gott mit der Fähigkeit, Dinge vorherzuwissen, ausgestattet worden, und er sagte auch künftige Verhältnisse, Ereignisse und göttliche Strafgerichte voraus (Mat 24-25). Besonders, wenn Gott etwas vorherbestimmt, wie die Aufrichtung des Königreiches und sein Eingreifen hier auf der Erde, dann kann er vorhersehen, wie seine Geschöpfe darauf reagieren werden. Jesus sagte für die Zeit des Endes Erdbeben vorher, an einem Ort nach dem anderen. Sicherlich kann Gott buchstäbliche Erdbeben verursachen. Aber es ist in der Bibel auch von sinnbildlichen Erdbeben die Rede. Außerdem werden durch die moderne Nachrichtentechnik auch Erdbeben in weit entfernten Gegenden bekannt gemacht, so dass der Eindruck entsteht, die Zahl der Erdbeben würde steigen. Dasselbe gilt für Seuchen. Seuchen werden ausgelöst und verbreitet durch die vielen Menschen, die zudem noch umherreisen. Häufig sind Seuchen auch Folgen von Kriegen, die durch das Aufeinanderprallen unterschiedlicher Interessen und Einstellungen ebenfalls zu erwarten sind. Wie vorhergesagt möchten die Menschen immer mehr an der Regierung und an der Macht teilhaben. Durch die zunehmende Erkenntnis aus der Bibel, die immer mehr Verbreitung findet, wächst auch der Widerstand und die Verfolgung. Gott kann also all diese negativen Dinge vorhersehen, ohne sie selbst zu verursachen und zu wollen. Jehova entschloss Pharao am Leben zu lassen: „Aber, in der Tat, deswegen habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Macht zu zeigen und damit man meinen Namen verkündet auf der ganzen Erde (2. Mo 9:16). Zu diesem Zweck hat Gott Pharaos Herz verhärtet (2. Mo 4:21; 7:3).

Jehova war entschlossen 10 Plagen über Ägypten zu bringen, das sein Volk in Sklaverei hielt. Deshalb beschloss er Pharao am Leben zu lassen: „Aber, in der Tat, deswegen habe ich dich bestehen lassen, um dir meine Macht zu zeigen und damit man meinen Namen verkündet auf der ganzen Erde (2. Mo 9:16). Zu diesem Zweck hat Gott Pharaos Herz verhärtet (2. Mo 4:21; 7:3). Jehova zwang Pharao bei verschiedenen Gelegenheiten, Entscheidungen zu treffen, wodurch sich dessen Einstellung verhärtete. Er war offensichtlich höchmütig und hatte eine Neigung zur Widerspenstigkeit. Gott musste dafür sorgen, dass der Pharao die Israeliten nicht vorzeitig ziehen ließ, er war entschlossen 10 Plagen über Ägypten zu bringen, damit die Menschen den wahren Gott erkennen konnten.



Fragen

Hat Gott gewusst, dass die ersten Menschen sündigen würden?

Gott konnte dies höchstens als ihr Schöpfer in dem Sinne vorhersehen, dass er ihre Neigungen kannte und absehen konnte, wie sie auf die Prüfung reagieren würden (1Mo 3:1-6; Joh 8:44). Auch wenn die Menschen das Paradies verloren, so bedeutet dies nicht, dass sie ganz verloren sind. Dank dem Erlösungsplan Gottes können alle Menschen gerettet werden. Alles Böse und Schlechte wird schließlich beseitigt werden. Außerdem kann die Menschheit bei Gottes Heilsplan mitwirken und aus der Geschichte wertvolle Lehren ziehen. Gott gebot den ersten Menschen die Erde mit Nachkommen zu füllen, sie zu einem Paradies zu machen und sich die Tierwelt zu unterwerfen. Er gab er ihnen nicht einen Auftrag, dessen Ausführung von vornherein zum Scheitern verurteilt war, sondern er gewährte ihnen dadurch ein Vorrecht, das seine Liebe und sein aufrichtiges Interesse an ihnen bewies. In der Mitte des Garten Eden gab es den „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“, als Mittel zur Prüfung und den „Baum des Lebens“, als eine Vorkehrung zum Leben. Gott machte von Anfang an klar, dass Menschen für immer auf einer paradiesischen Erde leben sollten. Auch die Sünde der ersten Menschen änderte nichts an Gottes Vorsatz. (1Mo 1:28; 2:7-9, 15-17; 3:22-24).

Weiß Gott wer gerettet wird?

Die Aussicht auf ewiges Leben wird in Gottes Wort als erreichbares Ziel für alle Menschen beschrieben. Der Apostel Petrus schrieb: „Jehova ist hinsichtlich seiner Verheißung nicht langsam, wie es einige für Langsamkeit halten, sondern er ist geduldig mit euch, weil er nicht will, daß irgend jemand vernichtet werde, sondern will, daß alle zur Reue gelangen“ (2.Pe 3:9; 1.Tim 2:3,4). Aufgrund seiner Eigenschaft ist zu erwarten, daß Gott allen Menschen das beste wünscht.Das Loskaufsopfer Jesu Christi steht allen Menschen zur Verfügung, (2.Ko 5:14, 15; 1.Ti 2:5, 6; Heb 2:9). Für Gott ist „In jeder Nation der Mensch, der ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirkt, annehmbar“ (Apg 10:34, 35). Alle können „Gott suchen, ob sie ihn wohl tastend fühlen und wirklich finden mögen“ (Apg 17:26, 27). Die göttliche Aufforderung am Ende der Offenbarung: ergeht an Jeden: „Jeder, der es hört, sage: ‚Komm!‘ Und jeder, den dürstet, komme; jeder, der wünscht, nehme Wasser des Lebens kostenfrei“ (Off 22:17).  Und Menschen können sich ändern, vor allem, wenn Gottes Geist wirkt.

Wurde Judas von Gott dazu vorherbestimmt, Jesus zu verraten?

Judas Iskariots verräterisches Vorgehen hat Vorbilder in der Bibel. David zum Beispiel wurde von einem engen Vertrauten verraten (Ps 41:9; 55:12, 13; 109:8). Sacharja erhielt für sein Tun einen Lohn in Höhe von 30 Silberlingen (Sach 11:12). Der Apostel Petrus wendet dies auf Judas an (Apg 1:16-19). Es kann aber nicht gesagt werden, Gott habe Judas zu einer solchen Handlungsweise vorherbestimmt. Erst kurz vor seinem Verrat bezeichnete Jesus Judas Iskariot als den Verräter, auf den in den Schriften hingewiesen wird (Joh 13:21-26). Jesu hatte vor der Auswahl seiner 12 Apostel die ganze Nacht zu seinem Vater gebetet und schließlich auch Judas auserwählt (Luk 6:12-16). Wäre Judas von Gott da bereits als Verräter vorherbestimmt worden, so hätte Gott einen Verräter erwählt. Judas ließ sich irgendwann nicht mehr von Gott leiten, sondern vom Teufel, indem er zum Dieb und Verräter wurde (Joh 13:2). Als diese Entwicklung einen bestimmten Punkt erreicht hatte, konnte Jesus selbst sehen, was in seinem Herz vorging, und vorhersagen, wer ihn verraten werde (Joh 6:64).

Jesus bezeichnete Judas als Sohn der Vernichtung (Joh 17:12). Durch seinen Verrat mit einem Kuss lieferte er Jesus seinen Richtern aus, was schließlich zum Tod Jesu führte. Brachte Judas dadurch auch Vernichtung über sich? Immerhin stimmen die Aussagen über den Tod Judas nicht ganz überein. Und ein Zeugnis zweier Zeugen fehlt.